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27.02.26 20:23 Uhr
Microsoft
Führen Microsofts aggressive KI-Investitionen zu einem neuen Wachstumszyklus – oder in einen teuren Tech-Crash 2.0?
Microsoft KI-Investitionen: Übertreibt der Konzern?
Im jüngsten Quartal steigerte Microsoft Corporation den Umsatz um rund 17 %, gleichzeitig explodierten die Ausgaben um etwa 66 %. Ein Großteil dieser Mittel fließt in Microsoft KI-Investitionen – vor allem in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und spezialisierte Hardware, um KI-Modelle wie die von OpenAI zu betreiben. Anleger fühlen sich an die Dotcom-Ära erinnert, als zu viel Kapital in Glasfaser- und Netzwerkinfrastruktur floss, die sich erst Jahre später auszahlte.
Die Börse reagiert nervös: Die Aktie ist im Zuge der breiten Software-Schwäche und der Diskussion um eine mögliche “SaaS-pocalypse” deutlich vom Top zurückgekommen. Technisch wäre es wichtig, dass die Aktie ein höheres Tief ausbildet. Andernfalls halten Chartanalysten Rücksetzer in den Bereich von 330 bis 345 US-Dollar für möglich – Kursniveaus, die seit über einem Jahr nicht mehr gesehen wurden. Gleichzeitig liegt das aktuelle KGV mit etwa 24 unter dem Zehnjahresschnitt von rund 27, während das Umsatz-Multiple mit etwa 9 wieder im historischen Mittel notiert.
Trotz dieser Abkühlung bleibt der Markt gespalten: Einige Fonds wie Mott Capital Management haben ihre Position reduziert, weil sie Microsofts hohe Bewertung und die starke Abhängigkeit von OpenAI als Risikofaktoren sehen. Andere Investoren nutzen den Rückgang, um die vermeintliche Qualitätsaktie günstiger einzusammeln, zumal Microsoft zu den bevorzugten “Dip-Käufen” der Privatanleger im Software-Segment zählt.
Microsoft: Azure-Wachstum unter Druck?
Parallel zu den steigenden Microsoft KI-Investitionen verlangsamt sich das Wachstum in der wichtigen Cloud-Sparte Azure. Die Wachstumsraten tendieren seit einigen Jahren nach unten und gelten inzwischen als eher stagnierend, während Amazon Web Services zuletzt wieder eine leichte Beschleunigung vermelden konnte und auf absoluten Werten deutlich größer bleibt. Google Cloud, deutlich kleiner, legt derzeit ebenfalls stärker zu.
Gleichzeitig bleibt Azure das strategische Herzstück der KI-Story von Microsoft Corporation. Dank der Cashflows aus den Beinahe-Monopolen Windows und Office konnte der Konzern jahrelange Verluste im Cloud-Geschäft verkraften, bis Azure zur dritten tragenden Säule heranwuchs. Neue Produkte wie Copilot und KI-Agenten werden tief in Office, GitHub und Dynamics 365 integriert. Gerade Dynamics 365 wächst mit rund 19 % und profitiert von KI-Funktionen wie Payables Agent und Sales Development Agent, die klassische ERP- und CRM-Prozesse automatisieren.
Analysten sehen in dieser Verschiebung einen möglichen Katalysator: Sollte Microsoft bei den kommenden Ausblicken noch aggressivere Investitions- und Wachstumspläne für Azure und KI kommunizieren, könnten davon vor allem Chip-Hersteller profitieren. Gleichzeitig erhöht dies aber den Druck, die enormen Capex-Ausgaben mittel- bis langfristig über höhere Cloud-Umsätze und KI-Royalties zu rechtfertigen.

Microsoft: Wie stabil ist die OpenAI-Partnerschaft?
Für die Bewertung der Microsoft KI-Investitionen ist die Beziehung zu OpenAI entscheidend. Nach der Ankündigung einer großen Finanzierung mit Amazon und der Nutzung von Amazons eigenen KI-Chips schien sich das OpenAI-Ökosystem von Microsoft und Nvidia wegzubewegen. Berichte über Spannungen zwischen beiden Seiten sorgten zusätzlich für Verunsicherung, zumal OpenAI künftig auch auf andere Cloud- und Chip-Stacks setzt.
Microsoft und OpenAI haben darauf mit einer gemeinsamen Erklärung reagiert. Darin betonen beide Unternehmen, dass ihre Partnerschaft fortbesteht: Microsoft behält die exklusive Lizenz an der OpenAI-Intellectual-Property, Azure bleibt exklusiver Cloud-Anbieter für zustandslose OpenAI-APIs, und das kommerzielle sowie das Revenue-Share-Modell bleiben unverändert. OpenAI-Chef Sam Altman verweist darauf, dass die Welt enorme Mengen an Rechenleistung benötigt und mehrere starke Partner nötig seien – Microsoft bleibt hier zentraler Baustein.
Aus Investorensicht ist damit klar: Ein Teil der künftigen KI-Nachfrage wird über die „Multi-Cloudisierung“ des OpenAI-Stacks auf Amazon und andere Anbieter verteilt. Gleichzeitig sichert sich Microsoft Corporation durch seine Exklusivrechte und das Azure-Monopol für bestimmte OpenAI-Dienste einen privilegierten Zugang zu einem wachsenden Volumen an KI-Workloads.
Microsoft KI-Investitionen: Einstiegschance oder Fallen Knife?
Bei 393,52 US-Dollar liegt die Aktie rund 2 % unter dem Vortag und deutlich unter früheren Höchstständen. Optionshändler positionieren sich bereits mit Strategien, die Break-even-Marken im Bereich um 345 US-Dollar ins Auge fassen – Kursregionen, die seit mehr als einem Jahr nicht erreicht wurden. Gleichzeitig sehen viele Langfrist-Investoren die Mischung aus normalisiertem KGV, starkem Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich und dominanter Marktstellung als attraktiven Einstiegszeitpunkt.
Institutionelle Investoren wie Winnow Wealth LLC und Nan Fung Trinity HK Ltd haben ihre Beteiligungen zuletzt deutlich aufgestockt. Analystenhäuser wie Morgan Stanley, Goldman Sachs, die Citigroup und RBC Capital Markets bleiben überwiegend positiv und verweisen auf die starke Bilanz, das diversifizierte Geschäftsmodell sowie die wachsenden KI-Royalties und Cloud-Erträge. Dem stehen skeptischere Stimmen wie Mott Capital Management gegenüber, die das Risiko sehen, dass ein Teil der Microsoft KI-Investitionen sich langsamer rechnet als erhofft.
Fazit
Unabhängig von der kurzfristigen Volatilität bleibt der Burggraben mit Windows, Office, Xbox, LinkedIn, Azure und starken Enterprise-Verträgen ausgeprägt. Anleger müssen jedoch akzeptieren, dass die extremen Wachstumsraten der vergangenen Dekade im Softwaresektor schwer zu wiederholen sind und KI eher Gewinner und Verlierer klarer trennt, anstatt allen Anbietern durchgehend Rückenwind zu geben.
Weiterführende Quellen
- Microsoft Corporation (MSFT) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Microsoft and OpenAI joint statement on continuing partnership (Microsoft Blog)
- How Low Can Microsoft Stock Go? (Forbes)
- Microsoft: A Very Healthy Business And Fairly Negative Sentiments (Seeking Alpha)






