Kann die SpaceX-Aktie nach dem fulminanten Börsendebüt ihre astronomische Bewertung halten, oder droht jetzt der harte Aufprall auf dem Boden der Realität?
Wie schlägt sich die Aktie nach dem SpaceX IPO?
Das Debüt an der Nasdaq war ein historisches Ereignis: Mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar gestartet, schoss das Papier von Space Exploration Technologies (SPCX) am ersten Handelstag direkt auf einen Eröffnungskurs von 150 US-Dollar hoch. In der Spitze kletterte die Aktie an ihrem dritten Handelstag sogar bis auf ein Rekordhoch von 225,64 US-Dollar. Doch diese Gewinne sind inzwischen fast vollständig dahingeschmolzen. Am Montag notierte die Aktie im vorbörslichen Handel bei 139,78 US-Dollar – ein Minus von 3,80 Prozent gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 145,30 US-Dollar. Damit rückt die psychologisch wichtige Marke des ursprünglichen Ausgabepreises aus dem SpaceX IPO von 135 US-Dollar wieder in gefährliche Nähe.
Der rasche Kursrutsch von über 35 Prozent gegenüber dem Allzeithoch hat viele Privatanleger kalt erwischt. Trotz der prestigeträchtigen Aufnahme in den Nasdaq-100 am 7. Juli, die eigentlich für stetige Zuflüsse durch Indexfonds sorgen sollte, hält der Abwärtsdruck an. Marktbeobachter verweisen auf die typische Dynamik nach einem Mega-Börsengang: Erste Momentum-Trader nehmen Gewinne mit, während die langfristigen Investoren beginnen, das Unternehmen nüchtern anhand seiner nackten Zahlen zu bewerten. Und diese Zahlen zeigen ein hochgradig kapitalintensives Geschäft.
Welche Rolle spielen die gigantischen KI-Pläne?
Die enorme Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar lässt sich kaum mit dem klassischen Raketengeschäft rechtfertigen. Stattdessen positioniert sich das Unternehmen zunehmend als Infrastruktur-Gigant für künstliche Intelligenz. Durch die Fusion mit xAI und die geplante, 60 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des KI-Spezialisten Cursor will der Konzern orbitale Rechenzentren etablieren. Erste milliardenschwere Verträge zeigen das Potenzial: Alphabet überweist ab Oktober 2026 monatlich rund 920 Millionen US-Dollar für den Zugriff auf ein riesiges GPU-Cluster. Auch das KI-Labor Anthropic hat bereits Kapazitäten gebucht. Experten schätzen, dass diese KI-Deals jährlich bis zu 26 Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen könnten.
Dem gegenüber stehen jedoch immense Kosten. Im Jahr 2025 wies das Unternehmen trotz eines Umsatzsprungs auf 18,7 Milliarden US-Dollar einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar aus. Zudem belastet eine überraschende Anleiheemission über 25 Milliarden US-Dollar, die kurz nach dem SpaceX IPO platziert wurde, die Bilanz. Kritiker bemängeln die mangelnde Transparenz dieser Schuldenaufnahme, die zur Tilgung von Brückenrediten genutzt wurde.
Wie bewerten Analysten die Zukunft von SpaceX?
Die Meinungen an der Wall Street könnten kaum weiter auseinandergehen. Raymond James startete die Abdeckung mit einem extrem bullischen Kursziel von 800 US-Dollar und bezeichnete das Unternehmen als die prägende Infrastruktur-Aktie des 21. Jahrhunderts. Auch andere namhafte Häuser zeigen sich optimistisch: Die Deutsche Bank initiierte die Aktie mit einem Kursziel von 225 US-Dollar und verwies auf die unerreichte technologische Dominanz bei wiederverwendbaren Raketen. Cantor Fitzgerald sieht das Kursziel sogar bei 246 US-Dollar und lobte das vertikal integrierte Geschäftsmodell, das Launch-Services, Starlink und KI-Computing vereint. Bank of America gab ein Kursziel von 235 US-Dollar aus, gestützt auf die unaufhaltsame Kostenreduktion durch das Starship-Programm.
Demgegenüber stehen skeptischere Stimmen. Morgan Stanley verweist auf ein massives Finanzierungsrisiko und prognostiziert, dass vor dem Jahr 2035 kein positiver freier Cashflow erzielt wird. Dennoch vergibt die Bank ein Übergewichten-Rating mit einem Kursziel von 300 US-Dollar. CFRA-Analyst Keith Snyder mahnt zur Vorsicht und verweist auf die extrem hohe Bewertung, während Wall Street Zen die Einstufung kürzlich immerhin von “Verkaufen” auf “Halten” angehoben hat. Ein weiterer Belastungsfaktor wartet im August: Dann läuft die erste Sperrfrist ab, wodurch rund 20 Prozent der Insider-Aktien für den Handel freigegeben werden.
Die erfolgreiche Bergung markiert Chinas Beherrschung der vollständigen Rückgewinnungstechnologie für schwere Flüssigkeitsraketen und beendet die langjährige Dominanz eines einzigen im Ausland entwickelten Ansatzes.— eWorldship
Für Anleger bleibt das Papier ein zweischneidiges Schwert. Die technologische Marktführerschaft ist unbestritten, doch die astronomische Bewertung verzeiht keine operativen Fehler. Wer jetzt einsteigen möchte, sollte einen sehr langen Atem mitbringen und die im August anstehenden ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen genauestens analysieren.