Kann Nordex den Rückenwind aus starken Quartalszahlen nutzen, um die skeptischen Analysten zu überzeugen und den Aufwärtstrend fortzusetzen?
Operativer Gewinn mehr als verdoppelt
Nordex legte am Donnerstagabend vorläufige Zahlen vor. Laut Dow Jones stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im dritten Quartal auf 278 Millionen Euro von 136 Millionen Euro. Die Marge kletterte auf 12,7 Prozent von 8,0 Prozent. Der Umsatz stieg auf 2,19 Milliarden Euro nach 1,71 Milliarden Euro, der freie Cashflow auf 379 Millionen Euro von 149 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens lagen die Ergebnisse über den Erwartungen.
Beim operativen Ergebnis decken sich die Agenturen: Auch dpa-AFX meldet 278 Millionen Euro. Die Agentur korrigierte am Freitagmorgen allerdings ihre Meldung vom Vorabend und stellte klar, dass das EBITDA mehr als doppelt so hoch lag wie im Vorjahreszeitraum. Beim Umsatz nennt dpa-AFX gerundet 2,2 Milliarden Euro und ein Plus von 28 Prozent. Als Gründe für die Anhebung führt der Konzern höhere Margen im Servicegeschäft und eine starke Performance im Projektgeschäft an. Zudem hätten sich im Projektgeschäft eingeplante Risiken nicht im angenommenen Umfang realisiert. Die Umsatzprognose von 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro bleibt laut Dow Jones unverändert.
Die Aktie setzt sich an die Spitze
Bereits am Donnerstagabend legte das Papier auf Tradegate in einer ersten Reaktion um vier Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss zu, wie dpa-AFX berichtete. Am Freitag zog der Kurs dann deutlich stärker an. Laut dpa-AFX schnellte die Aktie um mehr als 13 Prozent nach oben und lag damit ganz vorn. Dow Jones meldete im frühen Handel ein Plus von 15 Prozent auf 39,96 Euro. Damit liegt das Plus seit Jahresbeginn laut Dow Jones bei knapp 40 Prozent.
Das Neugeschäft gewinnt an Tempo
Auch beim Auftragseingang legten die Hamburger zu. Im dritten Quartal stiegen die Bestellungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29,5 Prozent auf 2,81 Gigawatt. In den ersten neun Monaten lag das Plus bei 16,1 Prozent auf 7,7 Gigawatt. Zwischen Juli und September gingen Aufträge für 427 Windkraftanlagen in zehn Ländern ein. Besonders stark war die Nachfrage in Deutschland, den USA und der Türkei. Das Preisumfeld beschreibt das Unternehmen als weiterhin stabil.
Berenberg-Analyst Richard Dawson sieht die Aufträge internationaler diversifiziert, wie Dow Jones berichtete. Deutschland dürfte nach seiner Einschätzung eine wichtige Umsatzquelle bleiben, da dort Ausschreibungen für Onshore-Windkraft von 72 Gigawatt erwartet werden.
Jefferies und RBC liegen weit auseinander
Die Analysten bewerten die Zahlen unterschiedlich. Jefferies hob das Kursziel von 60 auf 63 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Analyst Constantin Hesse schrieb, der Konzern habe beim EBITDA selbst die optimistischsten Erwartungen überboten und lege immer wieder nach.
Die kanadische Bank RBC belässt die Aktie dagegen auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 36 Euro. Das liegt unter dem aktuellen Kurs. Analyst Colin Moody erkennt die erneut überraschend hohe Profitabilität an. Bei den mittelfristigen Marktperspektiven in Deutschland bleibt er jedoch vorsichtig. Der Ausbau der erneuerbaren Energien stehe im Widerspruch zum begrenzten Wachstum der Stromnachfrage. Zudem belasteten neue Marktreformen die Rentabilität der Projektentwickler.
Was zeigen die vollständigen Zahlen am 5. November?
Die kompletten Quartalszahlen will der Windkraftanlagenbauer am 5. November veröffentlichen, also in 20 Tagen. Dann wird sich zeigen, wie nachhaltig die höheren Servicemargen sind. Außerdem dürfte sich klären, ob die Auftragsdynamik in Deutschland, den USA und der Türkei anhält.
Starke Bestellungen bereiteten den Boden für das Margenplus
Schon Anfang der Woche hatte der Windkraftanlagenbauer mit seinen Auftragszahlen aufhorchen lassen. Wie der kräftige Zuwachs beim Auftragseingang im dritten Quartal trotz leicht gesunkener Durchschnittspreise zustande kam und wie Analysten ihn bewerten, zeigt unser Bericht vom 12. Oktober.
Unterm Strich hat Nordex mit einem mehr als verdoppelten Quartals-EBITDA, kräftigem Auftragsplus und einem deutlich höheren Margenziel überzeugt. Für Anleger bedeutet das gestiegenes Vertrauen in die Profitabilität, auch wenn Jefferies und RBC die Perspektiven sehr unterschiedlich bewerten. Die vollständigen Zahlen am 5. November bieten die nächste Chance, die Stärke des Service- und Projektgeschäfts genauer zu prüfen.