Kann die Tilray Brands Strategie mit teuren Zukäufen und massiver Verwässerung wirklich den erhofften Turnaround einleiten?
Tilray Brands: Was steckt hinter der neuen Strategie?
Tilray Brands hat sich vom reinen Cannabisplayer zu einem breiter aufgestellten Konsumgüterkonzern gewandelt. Das Unternehmen spricht inzwischen von sich als „globaler Lifestyle- und Consumer-Packaged-Goods-Konzern“ und versucht, die Abhängigkeit vom volatilen Cannabismarkt zu reduzieren. Kern der aktuellen Tilray Brands Strategie ist eine aggressive Diversifikation in CBD-Produkte, Wellness und vor allem alkoholische Getränke.
Seit 2021 hat Tilray nach eigenen Angaben bereits 19 Marken übernommen, vor allem im Craft-Beer- und Getränkebereich. Damit ist der Konzern zu einem der größten Craft-Bier-Brauer in den USA aufgestiegen. Operativ zeigt sich das im Umsatz: Der Jahreserlös liegt bei über 837 Millionen US-Dollar, doch der erhoffte Durchbruch in Richtung stabiler Profitabilität blieb bislang aus.
Der Hintergrund: Der legalisierte Cannabismarkt hat sich deutlich schwächer entwickelt als an der Börse einst eingepreist wurde. Starke Konkurrenz, Überkapazitäten und anhaltender Wettbewerb mit dem weiterhin aktiven Schwarzmarkt drücken die Margen. Regulierung, Steuern und Gebühren erhöhen zusätzlich die Kostenbasis für legale Anbieter.
Tilray Brands Strategie: Expansion um jeden Preis?
Die Tilray Brands Strategie in den letzten Jahren lässt sich als „Wachstum zuerst, Rendite später“ zusammenfassen. Um die Übernahmeserie zu finanzieren und das laufende operative Defizit zu decken, hat das Management massiv neue Aktien ausgegeben. Seit dem Börsengang in den USA ist die Aktienanzahl um rund 495 % gestiegen, allein seit 2021 um mehr als 300 %. Für Altaktionäre bedeutet das eine drastische Verwässerung ihres Anteils am Unternehmen.
Besonders kritisch: Ein Teil der zugekauften Marken musste bereits wieder wertberichtigt werden. Abschreibungen ziehen sich über nahezu alle Geschäftsbereiche und deuten darauf hin, dass bei der Umsetzung der Tilray Brands Strategie Fehler gemacht wurden – klassische Risiken eines überhitzten Akquisitionskurses. Zwar handelt es sich bilanziell um nicht zahlungswirksame Effekte, wirtschaftlich tragen aber genau jene Aktionäre die Last, deren Anteile zuvor zur Finanzierung der Deals verwässert wurden.
Trotz der steigenden Größe wächst der Konzern zuletzt nur noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres legte der Umsatz lediglich um etwa 3 % zu. Auch der Ausblick der Analysten signalisiert derzeit eher ein Szenario mit geringen Wachstumsraten, anhaltender Verlustsituation und begrenztem Spielraum für weitere teure Zukäufe.
Wie bewerten Analysten die Tilray Brands Strategie?
Am Aktienmarkt spiegelt sich die Skepsis gegenüber Tilray Brands deutlich wider. Der Kurs ist in den vergangenen fünf Jahren um rund 97 % eingebrochen, in drei Jahren um etwa 74 % und im letzten Jahr nochmals zweistellig gefallen. Trotz gelegentlicher Kurssprünge betrachten viele Marktteilnehmer das Papier daher eher als Turnaround-Spekulation denn als solides Investment.
Auf der Analystenseite dominiert ein abwartender Ton. Canaccord-Analyst Kenric Tyghe hat die Aktie jüngst mit einem „Hold“-Rating und einem Kursziel von 13 Kanadischen Dollar eingestuft. Er verweist insbesondere auf die Herausforderungen im Biermarkt, obwohl Tilray Brands dort inzwischen zu den größeren Spielern zählt. Roth Capital bestätigt seine neutrale Einstufung („Neutral“), aber mit einem auf 10 US-Dollar reduzierten Kursziel und betont, dass die Perspektive stark von künftigen US-Gesetzesänderungen sowie dem Wettbewerb durch berauschende Hanfprodukte abhängt.
Gleichzeitig gibt es auch strategische Lichtblicke, die die Tilray Brands Strategie untermauern. So hat das Unternehmen eine exklusive, mehrjährige Lizenzpartnerschaft mit der Carlsberg Group für den US-Markt ab 2027 vereinbart. Tilray wird dann für Produktion, Vermarktung und Vertrieb der Carlsberg-Marken in den USA verantwortlich sein. Damit stärkt der Konzern seine Position im Getränkesegment und schafft weitere Diversifikationsmöglichkeiten abseits des reinen Cannabisgeschäfts.
Trotzdem bleibt die zentrale Frage: Reicht diese Ausweitung des Produktportfolios aus, um die massiven Verwässerungseffekte und die anhaltende operative Schwäche auszugleichen? Solange nachhaltige Profitabilität aussteht, stufen viele Analysten das Chance-Risiko-Verhältnis als begrenzt attraktiv ein.
Die Tilray Brands Strategie setzt damit zwar auf Größe, Markenvielfalt und Partnerschaften, doch für Aktionäre zählt am Ende, ob aus Wachstum auch verlässliche Gewinne werden. Ohne klaren Pfad zu positiven Margen könnte jeder weitere Akquisitionsschritt vor allem eines bedeuten: noch mehr Verwässerung.
Fazit
Die Tilray Brands Strategie kombiniert aggressive Diversifikation mit hoher Aktienverwässerung und einem anhaltend schwachen Cannabis-Kerngeschäft, was den Investment-Case aktuell erheblich belastet. Für Anleger ist entscheidend, ob es dem Management gelingt, aus dem breit aufgestellten Markenportfolio endlich skalierbare, profitable Strukturen zu formen. Die nächsten Quartale und die Umsetzung der Partnerschaften im Getränkesektor werden zeigen, ob Tilray Brands vom Verwässerungs- und Turnaround-Wert zu einem nachhaltig profitablen Konsumgüterkonzern aufsteigen kann.
Weiterführende Quellen
- Tilray Brands, Inc. (TLRY) Aktienkurs, Kennzahlen und News (Yahoo Finance)
- Here’s Why I Wouldn’t Touch Tilray With a 10‑Foot Pole (The Motley Fool)
- Is It Time to Dump Your Shares of Tilray? (The Motley Fool)
- Canaccord Analyst Initiates Coverage on Tilray Brands, Inc. (TLRY) (Insider Monkey)
- Tilray Brands and the Carlsberg Group Enter into an Exclusive Multi-Year U.S. Brewing and Commercial Partnership (GlobeNewsWire)







