Welche strategischen Vorteile verspricht sich Heidelberg Materials von der jüngsten Übernahme in Skandinavien und wie reagiert der Markt darauf?
Welche Anlagen wechseln den Besitzer?
Mit dem Zukauf erhält Heidelberg Materials Zugang zu 106 Zuschlagstoffstandorten mit erheblichen Reserven sowie 44 Heißasphaltwerken in Schweden und Norwegen. Das Geschäft gehört bislang zur Industriesparte von NCC. Der Konzern begründet den Schritt mit zusätzlichem Wachstumspotenzial in beiden Ländern, wo die Nachfrage im Infrastrukturbereich steigt. Das daraus resultierende Pro-forma-EBITDA-Multiple liege unter dem entsprechenden Multiple von Heidelberg Materials.
Der Konzern erweitert sein Nordgeschäft
CEO Dominik von Achten bezeichnete den Erwerb als wichtigen Schritt zur Verbesserung des Portfolios und zur Stärkung des Skandinavien-Geschäfts. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Freigaben. Die gemeldete Transaktionssumme weicht von einer im Umlauf befindlichen Schätzung von rund 550 Millionen Euro ab; Dow Jones beziffert den bereinigten Unternehmenswert auf rund 490 Millionen Euro.
Deutsche Bank Research senkt das Kursziel
Am Mittwoch senkte Deutsche Bank Research das Kursziel für Heidelberg Materials von 220 auf 210 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“. Analyst Jon Bell erwartet für das wichtige Europageschäft, das rund 45 Prozent der Gesamterlöse ausmacht, im dritten Quartal ein organisches Wachstum von rund zwei Prozent. Steigende Preise dürften dabei leicht rückläufige Absatzmengen ausgleichen. Für Nordamerika, das etwa ein Viertel des Umsatzes erzielt, prognostiziert Bell ein organisches Wachstum von etwa fünf Prozent.
Die Aktie steht unter Druck
Der Tagesverlust von 3,39 Prozent fällt in eine Phase, in der Heidelberg Materials mit Gegenwind durch eine schwache Baunachfrage konfrontiert ist. Die angekündigte Transaktion setzt dagegen auf das Infrastrukturgeschäft in Skandinavien. Ob der Zukauf die Wachstumsaussichten spürbar verbessert, hängt unter anderem von der behördlichen Freigabe und der weiteren Geschäftsentwicklung ab.
Heidelberg Materials baut mit dem Kauf von NCCs Zuschlagstoff- und Asphaltgeschäft seine Präsenz in Schweden und Norwegen aus, während der Abschluss noch von behördlichen Freigaben abhängt. Für Anleger treffen damit ein strategischer Wachstumsschritt und ein schwächerer Aktienkurs aufeinander; Deutsche Bank Research bleibt trotz eines reduzierten Kursziels bei „Buy“. Die weitere Entwicklung hängt nun von der Freigabe und der Umsetzung des Zukaufs ab – die nächsten Unternehmensmeldungen sollten Anleger aufmerksam verfolgen.