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Merck Dividendenstrategie Chance: Hält Keytruda-Schock 2028 aus?

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20.02.26 17:35 Uhr

Merck KGaA

Kann die Merck Dividendenstrategie den drohenden Keytruda-Patentablauf abfedern oder steht die Ausschüttung vor einem Bruch?

Merck & Co., Inc.: Wie solide ist die Dividende?

Die Merck Dividendenstrategie baut auf einem attraktiven Rendite‑Profil auf. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei rund 2,8 % und damit deutlich über dem Niveau des S&P 500, der im Schnitt etwa 1,1 % bietet. Auch im Branchenvergleich sticht Merck & Co., Inc. hervor: Der durchschnittliche Pharmawert kommt auf etwa 1,7 %, womit Merck mehr als 60 % darüberliegt. Allein die Höhe der Rendite ist jedoch nicht der einzige Pluspunkt – entscheidend ist die Kombination aus Ausschüttung und Wachstum.

In den vergangenen zehn Jahren hat Merck seine Dividende um knapp 94 % gesteigert. Zwar gab es Phasen ohne Erhöhungen, doch statt aggressiver Anhebungen um jeden Preis setzt das Management auf Nachhaltigkeit. Ein zentraler Baustein der Merck Dividendenstrategie ist die im Branchenvergleich moderate Ausschüttungsquote von rund 45 % des Gewinns. Diese Spannbreite lässt genügend Spielraum, um sowohl Aktionäre über Dividenden zu beteiligen als auch Milliarden in Forschung, Entwicklung und Zukäufe zu investieren.

Jüngst bestätigte der Vorstand eine Quartalsdividende von 0,85 US‑Dollar je Aktie. Angesichts der jüngsten Kursniveaus entspricht das weiterhin einer Rendite im Bereich von rund 2,8 %. Für langfristig orientierte Einkommensinvestoren ist damit ein stetiger Cashflow mit Aussicht auf weitere Erhöhungen gegeben – vorausgesetzt, Merck kann die anstehende Patentklippe meistern.

Merck & Co., Inc.: Trägt Keytruda die Merck Dividendenstrategie?

Herzstück der Ertragsbasis und damit indirekt der Merck Dividendenstrategie ist der Immunonkologie‑Blockbuster Keytruda (Wirkstoff Pembrolizumab). Das Medikament ist weltweit einer der umsatzstärksten Krebswirkstoffe und in zahlreichen Indikationen – unter anderem bei nicht‑kleinzelligem Lungenkrebs – zugelassen. Im vierten Quartal verzeichnete die Keytruda‑Franchise ein Umsatzplus von rund 6,8 % auf 8,37 Mrd. US‑Dollar und bleibt damit der wichtigste Gewinnbringer.

Die große Herausforderung: In den USA läuft der Patentschutz für Keytruda 2028 aus. Entsprechend groß ist die Sorge vor einem Umsatzeinbruch durch Biosimilars und neue Konkurrenzpräparate, etwa Ivonescimab von Summit Therapeutics, das in einer Studie bei bestimmten Lungenkrebs‑Patienten Keytruda geschlagen hat. Merck versucht gegenzusteuern: Zusätzliche Indikationen, eine subkutane Formulierung mit kürzerer Verabreichungszeit sowie die Entwicklung oraler Varianten sollen die Lebensdauer des Franchise verlängern und die Ertragsbasis glätten.

Parallel verweisen Analysten darauf, dass internationale Patente für Keytruda bis in die 2030er Jahre reichen und somit ein gestaffelter Rückgang statt eines abrupten Absturzes wahrscheinlich ist. Deutsche Bank etwa sieht einen „klaren Pfad über die Keytruda‑Patentklippe hinaus“ und hat Merck von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft, mit einem auf 150 US‑Dollar angehobenen Kursziel. Diese Einschätzung stützt die Erwartung, dass die Merck Dividendenstrategie auch nach 2028 tragfähig bleibt.

Merck & Co., Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Merck & Co., Inc.: Breite Pipeline als Dividendenpuffer?

Neben Keytruda erweitert Merck & Co., Inc. systematisch sein Portfolio, um die Abhängigkeit von einem einzelnen Blockbuster zu verringern. Neue Produkte wie Winrevair gegen pulmonale arterielle Hypertonie und der Pneumokokken‑Impfstoff Capvaxive liefern bereits relevante Beiträge; Winrevair hat sich zum Beispiel auf einen Umsatz‑Run‑Rate von über 1 Mrd. US‑Dollar entwickelt. Weitere Projekte in der Pipeline zielen auf kardiometabolische Erkrankungen, Infektionskrankheiten und potenziell disruptive Grippeimpfstoffe ab.

Diese Diversifizierung ist ein Kernargument institutioneller Investoren, die ihre Positionen zuletzt teils deutlich ausgebaut haben. So haben etwa Tredje AP fonden und AMG National Trust Bank ihre Beteiligungen erhöht, während einzelne Adressen wie Smead Capital Management Gewinne mitnahmen. Auf Analystenseite unterstreichen Häuser wie Barclays mit dem Upgrade auf „Strong‑Buy“ sowie das durchschnittliche Konsens‑Rating „Moderate Buy“ die positive Einschätzung von Cashflow‑Stärke und Wachstumsperspektiven.

Mit dem jüngsten Kursbereich um 128 US‑Dollar bewegt sich Merck nahe dem 52‑Wochen‑Hoch von gut 123 US‑Dollar, was die starke Performance der vergangenen zwölf Monate widerspiegelt. Für Dividendenanleger bleibt der Investment‑Case damit zweigleisig: eine gut abgesicherte Ausschüttung heute und die Chance auf weiteres Wachstum, wenn Pipeline‑Projekte und Zukäufe die entstehende Lücke nach der Keytruda‑Spitze schließen. In diesem Umfeld wirkt die Merck Dividendenstrategie wie ein stabiler Anker in einem von Innovationszyklen geprägten Sektor.

Fazit

Unterm Strich zeigt sich: Die Merck Dividendenstrategie ruht auf einer starken Kombination aus solider Cash‑Generierung, moderater Ausschüttungsquote und einem breiten, wachstumsstarken Produktportfolio. Trotz der nahenden Keytruda‑Patentklippe sprechen Portfolio‑Diversifizierung, Pipeline und positive Analystenratings dafür, dass die Ausschüttungen langfristig abgesichert bleiben. Für Anleger, die auf stetige Erträge und planbaren Vermögensaufbau setzen, bleibt Merck damit ein aussichtsreicher Kandidat für die Dividendenecke des Depots.

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Amazon KI-Investitionen 200 Mrd.: Chance für AWS oder Cashflow-Schock?

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Amazon

Drehen Amazons massive KI-Investitionen den Free Cashflow ins Minus oder legen sie den Grundstein für den nächsten Wachstumsschub?

Amazon KI-Investitionen: Fluch oder Segen?

Amazon.com, Inc. setzt mit KI- und Cloud-Ausgaben von 200 Milliarden Dollar in diesem Jahr die wohl aggressivste Investitionsoffensive aller Hyperscaler um. Ziel ist es, die stark wachsende Nachfrage nach Rechenkapazität für generative KI zu bedienen, insbesondere über Amazon Web Services (AWS). Das führt jedoch dazu, dass der Free Cashflow 2026 voraussichtlich ins Negative dreht, nachdem er bereits 2025 von 38,2 auf 11,2 Milliarden Dollar eingebrochen ist, weil die Investitionen schneller wuchsen als der operative Cashflow.

Die Amazon KI-Investitionen sollen die Kapazitätsengpässe in den weltweiten Rechenzentren auflösen. Denn der Bedarf der Unternehmenskunden übersteigt derzeit die vorhandene Infrastruktur, was potenzielle Umsätze bremst. Gleichzeitig geraten Aktienrückkäufe und bilanzieller Spielraum unter Druck – ein wesentlicher Grund für die Korrektur der vergangenen Monate.

Wie stark profitiert Amazon von AWS und Werbung?

Trotz der Skepsis bleibt das Kerngeschäft beeindruckend profitabel. AWS liegt mit einem Run-Rate-Umsatz von rund 142 Milliarden Dollar vor der Konkurrenz und wuchs im vierten Quartal 2025 um 24 % – das höchste Tempo seit Jahren. Neue Großkunden wie Visa, Salesforce, DoorDash und OpenAI untermauern den Trend, dass Unternehmen ihre IT-Budgets aus On-Premise-Systemen in die Cloud verschieben.

Parallel boomt das Werbegeschäft: 2025 erzielte Amazon hier knapp 69 Milliarden Dollar Umsatz, ein Anstieg um 22 % gegenüber 2024. Die hohen Margen dieser Sparte helfen, die massiven Amazon KI-Investitionen abzufedern. Zudem startet der Konzern neue E‑Commerce-Services wie „Amazon Now“, das Lieferzeiten von 30 Minuten ermöglicht und in Testmärkten – etwa in Indien – die Bestellhäufigkeit von Prime-Kunden deutlich erhöht hat.

Mit Prime Video Werbeformaten, die inzwischen 315 Millionen Zuschauer erreichen, und KI-gestützten Tools zur Kampagnenerstellung baut Amazon einen integrierten Werbe- und Commerce-Kosmos auf, der langfristig zusätzliche Erlöse und Skaleneffekte verspricht.

Amazon.com, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Wie bewerten Morgan Stanley und andere Analysten Amazon?

Auf Analystenseite prallen widersprüchliche Einschätzungen aufeinander. Morgan Stanley sieht Amazon als einen der Top-KI-Profiteure und hält die Aktie mit „Overweight“ und einem Kursziel von 300 Dollar auf der Favoritenliste. Die Investmentbank erwartet, dass AWS 2026/27 wieder mit über 30 % pro Jahr wächst und die Rendite auf das eingesetzte Kapital der KI- und Rechenzentrumsinvestitionen deutlich anzieht. Besonders hervorgehoben wird „Agentic Commerce“ – also KI-Assistenten wie Rufus, die das Einkaufserlebnis personalisieren und die Conversion-Raten erhöhen sollen.

Andere Häuser bleiben zwar optimistisch, passen aber ihre Erwartungen an. Bernstein senkte das Kursziel von 300 auf 265 Dollar, behielt aber das Rating „Outperform“ bei. Begründung: Die starke Entwicklung von AWS und des operativen Ergebnisses rechtfertige einen Teil der Ausgaben, sei aber kurzfristig zu dünn, um 200 Milliarden Dollar Capex voll zu erklären. Benchmark reduzierte sein Kursziel von 295 auf 275 Dollar und bleibt ebenfalls bei „Buy“.

Bank of America-Analyst Justin Post verteidigt die Strategie: Angesichts der führenden Kundenbasis und Umsätze von AWS sei es folgerichtig, dass Amazon mehr investiere als Wettbewerber. Unter den 72 beobachtenden Analysten empfehlen rund 92 % die Aktie weiterhin zum Kauf, mit einem mittleren Zwölfmonats-Potenzial von knapp 40 %.

Wie ist Amazon aktuell bewertet?

Mit einem Kurs von 210,11 Dollar handelt die Aktie rund 18 % unter dem Allzeithoch und etwa 10 % tiefer seit Jahresbeginn. Auf Basis der Gewinnschätzungen liegt das erwartete KGV bei etwa 25 bis 26 und damit nur leicht über dem S&P‑500-Durchschnitt, obwohl Amazon den Umsatz im mittleren Zehner-Prozentbereich steigert und die Margen ausbaut.

Verglichen mit anderen Konsumriesen wirkt der Titel moderat bewertet: Walmart weist ein höheres Multiple auf, obwohl Amazon 2025 mit 717 Milliarden Dollar Umsatz bereits zum weltweit größten Unternehmen nach Erlösen aufgestiegen ist und stärker vom KI-Boom profitiert. Kritisch bleibt der aktuell minimale Free-Cashflow-Ertrag von rund 0,35 % gemessen am Enterprise Value – ein direkter Effekt der Amazon KI-Investitionen. Langfristig sprechen die Skalen- und Netzwerkeffekte von E‑Commerce, Cloud und Werbung jedoch dafür, dass der Free Cashflow nach dieser Investitionswelle neue Höchststände erreichen kann.

Wir haben tiefe Erfahrung darin, Nachfragesignale im AWS-Geschäft zu lesen und diese Kapazität in eine starke Rendite auf das eingesetzte Kapital zu übersetzen.
— Andy Jassy, CEO von Amazon

Fazit

Die 200-Milliarden-Offensive der Amazon KI-Investitionen belastet kurzfristig Free Cashflow und Stimmung, zielt aber klar darauf ab, die strukturelle Führungsrolle in Cloud, Handel und Werbung abzusichern. Für Anleger bedeutet das ein Spannungsfeld aus erhöhtem Risiko und außergewöhnlichem Skalierungspotenzial, zumal Bewertung und Analystenkonsens derzeit eher für als gegen die Aktie sprechen. Entscheidend wird sein, ob AWS und neue KI-getriebene Dienste ab 2027 die Investitionswelle rechtfertigen – wer diese Wette eingehen will, findet in Amazon einen dominanten Wachstumswert mit langfristig intaktem Chance-Risiko-Profil.

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Alphabet KI-Offensive +4%: Milliarden-Capex und KI-Chips

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Alphabet

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Alphabet Inc.

Wird die Alphabet KI-Offensive mit eigenen Chips und Milliarden-Capex zum Turbo oder zur Gefahr für Googles Bewertung?

Wie reagiert die Börse auf Alphabet?

Zum Wochenschluss schlossen die A-Aktien von Alphabet Inc. (Google) bei 314,98 US-Dollar, ein Plus von 4,01 % gegenüber dem Vortag. Die C-Aktien notierten bei 314,90 US-Dollar und legten 3,74 % zu. Beide Gattungen setzten sich damit klar vom S&P 500 (+0,70 %) und dem Nasdaq Composite (+0,90 %) ab. Das Handelsvolumen lag mit rund 51,9 Millionen Papieren etwa 38 % über dem Dreimonatsschnitt, was auf erhöhte Nachfrage institutioneller Investoren schließen lässt. Auslöser waren neue Details zur Alphabet KI-Offensive, zu der sowohl eigene KI-Chips als auch eine verstärkte Unterstützung von Rechenzentrumspartnern gehören.

Neben den unternehmensspezifischen Impulsen profitierte Alphabet auch vom Rückenwind für Digital-Werbetitel nach einer Entscheidung des US Supreme Court, der große Teile früherer Zölle kassierte und damit die Konjunkturerwartungen für den Online-Werbemarkt verbesserte. Alphabet zählte dadurch zu den Top-Gewinnern im Nasdaq 100.

Wie weit ist Google bei KI-Chips und Cloud?

Im Zentrum der Alphabet KI-Offensive stehen eigene KI-Beschleuniger (TPUs), die in den jüngsten Quartalszahlen deutliche Spuren hinterlassen haben. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz der Google-Cloud-Sparte um knapp 48 % gegenüber dem Vorjahr, während die operative Marge auf über 30 % anzog. Analysten führen diese Entwicklung maßgeblich auf die Nutzung hauseigener Chips zurück, die die Kostenbasis gegenüber zugekauften GPUs senken und die Profitabilität der Cloud verbessern.

Parallel dazu treiben KI-Funktionen das Kerngeschäft an: Google Search verzeichnete im selben Zeitraum ein Umsatzwachstum von über 16 %, gestützt durch neue Funktionen wie AI Mode und AI Overviews. Auf YouTube sorgen KI-basierte Empfehlungssysteme für höhere Nutzerbindung und Werbeerlöse. Damit zeigt sich, dass die Alphabet KI-Offensive nicht nur auf Infrastruktur, sondern auch auf Monetarisierung in bestehenden Plattformen zielt.

Alphabet Inc. (Google) Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Was steckt hinter FluidStack und Milliarden-Capex?

Ein weiterer Baustein der Alphabet KI-Offensive ist die geplante Ausweitung des Partnernetzwerks für Rechenzentren. Alphabet verhandelt über ein Investment von rund 100 Millionen US-Dollar in das Cloud-Startup FluidStack, einen „Neocloud“-Anbieter, der speziell auf die Bedürfnisse von KI-Entwicklern zugeschnitten ist. Ziel ist es, den Zugang zu Googles KI-Chips über Drittanbieter zu verbreitern und so den Wettbewerb mit NVIDIA im Hardware-Ökosystem zu verschärfen.

Gleichzeitig plant Alphabet für 2026 rekordhohe Investitionen in KI-Infrastruktur von 175 bis 185 Milliarden US-Dollar – deutlich über dem Vorjahr und bisherigen Markterwartungen. Diese Capex-Offensive hatte die Aktie zunächst unter Druck gesetzt, da Investoren temporäre Belastungen bei Cashflow und Margen befürchteten. Der jüngste Kursanstieg signalisiert jedoch, dass der Markt die Investitionen zunehmend als notwendigen Schritt sieht, um die starke Cloud-Nachfrage und ein wachsendes KI-Backlog von zuletzt rund 247 Milliarden US-Dollar bedienen zu können.

Welche Chancen und Risiken sehen Analysten?

Anleger diskutieren vor allem, ob die Alphabet KI-Offensive den Konzern in den nächsten Jahren Richtung 6-Billionen-US-Dollar-Bewertung führen kann. Ausgehend von einer aktuellen Marktkapitalisierung um 3,7 Billionen US-Dollar wären dafür im Schnitt weniger als 13 % jährliches Wachstum nötig – ambitioniert, aber im Rahmen der bisherigen Dynamik. Die robuste Position in Suche, YouTube, Android und Cloud sowie zweistellige erwartete Gewinnzuwächse im mittleren Zeithorizont stützen diese Perspektive.

Dem stehen Risiken gegenüber: Hohe Investitionen könnten sich verzögern oder nicht wie geplant auszahlen, der Wettbewerb im Cloud-Geschäft mit Microsoft Azure und Amazon Web Services bleibt intensiv, und eine konjunkturbedingt schwächere Werbenachfrage würde unmittelbar auf die wichtigsten Cashflow-Quellen von Alphabet Inc. (Google) durchschlagen. Gleichwohl verweisen Marktbeobachter darauf, dass das Management in der Vergangenheit bei Bedarf schnell Kosten gesenkt und Investitionspläne angepasst hat.

Fazit

Die Alphabet KI-Offensive verbindet aggressive Infrastrukturinvestitionen, den Ausbau eigener Chips und strategische Partnerschaften wie FluidStack zu einem klaren Wachstumsfahrplan. Für Anleger bleibt Alphabet damit ein zentraler Hebel auf den globalen KI-Boom. Entscheidend wird, ob die kommenden Quartale zeigen, dass die hohen Capex-Ausgaben durch beschleunigtes Umsatz- und Gewinnwachstum im Cloud- und Werbegeschäft überkompensiert werden.

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Lucid Group Turnaround: Produktion +104% und Saudi-Chance

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Lucid Group, Inc.

Schafft der Lucid Group Turnaround mit verdoppelter Produktion und saudischer Milliarden-Stützungsleine endlich den Weg in die Profitabilitaet?

Lucid Group: Wie stark ist das Wachstum wirklich?

Lucid Group, Inc. (LCID) hat 2025 operativ deutlich zugelegt: Die Produktion sprang auf 18.378 Fahrzeuge, ein Plus von 104 % gegenüber dem Vorjahr. Ausgeliefert wurden 15.841 Fahrzeuge, was einem Wachstum von 55 % entspricht. Im vierten Quartal produzierte Lucid 8.412 Fahrzeuge und lieferte 5.345 Einheiten aus – ein wichtiger Baustein im angestrebten Lucid Group Turnaround.

Besonders auffällig ist die Dynamik im Schlussquartal: Die Auslieferungen stiegen im Jahresvergleich um 72 % und gegenüber dem dritten Quartal um 31 %. Während Wettbewerber wie Tesla und Rivian im vierten Quartal Rückgänge bei den Auslieferungen verbuchten, hielt Lucid seine Wachstumsstory aufrecht – trotz dem Wegfall von US‑EV-Steuergutschriften, der die Branche belastet. Ein Grund: Die Premium-Modelle Lucid Air und Gravity lagen preislich meist ohnehin über den Schwellen für Förderungen.

Beim Blick auf die Börse fällt der Kontrast auf: Die Aktie handelt mit 9,55 US‑Dollar weiterhin weit unter früheren SPAC-Höchstständen, nachdem der Kurs seit 2020 um etwa 90 % eingebrochen ist. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von deutlich über dem traditioneller Autohersteller bleibt LCID ambitioniert bewertet – ein Risiko, falls der Lucid Group Turnaround langsamer verläuft als erhofft.

Lucid Group Turnaround: Reicht die Saudi-Rettungsleine?

Der vielleicht wichtigste Stabilitätsanker für Lucid Group, Inc. ist der saudische Staatsfonds PIF. Dieser hält laut öffentlichen Unterlagen rund 64 % der Anteile und hat Lucid jüngst über ein sogenanntes „delayed draw term loan“-Kreditprogramm zusätzliche 2 Milliarden US‑Dollar an Liquidität zugesagt. Zudem besteht eine Vereinbarung, nach der Saudi-Arabien bis zu 100.000 Fahrzeuge über zehn Jahre abnehmen will; 1.000 davon wurden im dritten Quartal bereits geliefert.

Diese ungewöhnlich starke staatliche Rückendeckung ist zentral für den Lucid Group Turnaround, denn operativ verbrennt der Konzern weiter massiv Geld. Im dritten Quartal lag der operative Verlust bei rund 942 Millionen US‑Dollar, während die Marktkapitalisierung nur etwa 3,3 Milliarden US‑Dollar betrug. Über die letzten vier Quartale summierten sich die Barmittelabflüsse auf rund 3,4 Milliarden US‑Dollar bei nur etwas über 1 Milliarde US‑Dollar Umsatz.

Die Kehrseite des Saudi-Schutzschirms ist eine zunehmende Verwässerung: Zur Finanzierung des Wachstums hat Lucid die Aktienzahl seit dem Börsenstart um rund 90 % erhöht. Für bestehende Aktionäre bedeutet das, dass selbst bei operativem Fortschritt pro Aktie weniger Wert hängen bleibt – ein Kernrisiko im Investment-Case.

Lucid Group, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Lucid Group: Neuer Supply-Chain-Chef, Stellenabbau, neue Modelle

Auf der operativen Seite stellt Lucid Group, Inc. die Weichen neu. Anfang Februar wurde Neil Marsons, früher Group Chief Procurement Officer bei Rolls-Royce, zum Senior Vice President Supply Chain ernannt. Er soll die globale Lieferkette ausbauen und die Werke in Arizona und Saudi-Arabien effizienter machen. Marsons berichtet an Interim-CEO Marc Winterhoff und hatte Lucid bereits ein halbes Jahr beratend begleitet. Parallel verlässt Strategiechefin Claudia Gast das Unternehmen.

Nur wenige Wochen zuvor wurde zudem ein harter Sparkurs eingeleitet: Lucid baut laut mehreren Medienberichten rund 12 % der US‑Belegschaft ab, um die Bruttomargen zu verbessern und Ressourcen zu fokussieren. Der Schritt passt zur Botschaft des Managements, die „Pfad-zur-Profitabilität“-Story zu beschleunigen.

Wachstumstreiber auf der Umsatzseite sollen neue Modelle werden: Neben dem Luxus-SUV Gravity plant Lucid mit dem mittelgroßen SUV und der angekündigten, günstigeren Limousine Lucid Earth (Startpreis um 48.000 US‑Dollar) den Einstieg in den breiteren Massenmarkt. Diese Fahrzeuge sollen Skaleneffekte bringen – ähnlich wie Teslas Model 3 in der Vergangenheit – und sind damit ein zentrales Element des Lucid Group Turnaround.

Lucid Group: Was sagen die Analysten?

Die Analystengilde zeigt sich beim Lucid Group Turnaround gespalten. Die Investmentbank Baird hat Anfang Januar ihr Kursziel von 17 auf 14 US‑Dollar gesenkt und bleibt bei einer neutralen Einstufung. Begründung: zwar überzeugte das Produktionswachstum, doch die Auslieferungen im vierten Quartal fielen schwankungsanfällig aus und die Cash-Burn-Dynamik bleibt hoch.

Deutlich optimistischer ist Benchmark: Die Analysten um Mickey Legg bestätigten jüngst ein Buy-Rating mit einem Kursziel von 30 US‑Dollar. Sie verweisen auf das starke Auslieferungswachstum von 55 % im Jahr 2025, die anstehenden Modellanläufe sowie Kostensenkungsprogramme und sehen die Profitabilität eher in den Jahren 2026/2027 am Horizont.

Goldman Sachs führt Lucid Group, Inc. weiterhin in seinen Listen relevanter EV- und Batteriewerte, verweist aber ebenso auf das Spannungsfeld zwischen großem adressierbarem Markt und strukturell hohem Kapitalbedarf. Klar ist: In der aktuellen Phase reagieren Investoren sensibel auf jede Nachricht zu Cash, Kapazitätsausbau und Nachfrage – und damit auf jede neue Etappe im Lucid Group Turnaround.

Fazit

Produktionssprung, Saudi-Geld und ein erfahrener Supply-Chain-Chef geben dem Lucid Group Turnaround Rückenwind, doch hoher Cashburn und Verwässerung bleiben Bremsklötze. Für spekulative Anleger bleibt Lucid Group, Inc. ein Hebel auf ein mögliches EV-Comeback, während vorsichtige Investoren eher die Umsetzung der Sparprogramme und den Start der günstigeren Modelle abwarten dürften. Die nächsten Quartalszahlen und der Investorentag werden entscheidend zeigen, ob der Turnaround-Kurs trägt.

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Tesla Cybertruck Chance: Preiskampf, Cybercab und Autopilot-Risiko

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20.02.26 19:43 Uhr

Tesla

Wird der Tesla Cybertruck mit Preisschock und Cybercab-Start zum Gamechanger oder zum Margenrisiko für Anleger?

Wie positioniert Tesla den Tesla Cybertruck neu?

Tesla, Inc. verschärft den Preiskampf im US-Pick-up-Markt und rückt den Tesla Cybertruck ins Zentrum seiner Preisoffensive. In den USA wurde ein neues Dual-Motor-Modell mit Allradantrieb für 59.990 US-Dollar vorgestellt, das als bislang günstigste Cybertruck-Variante gilt. Gleichzeitig sinkt der Preis des Topmodells Cyberbeast von 114.990 auf 99.990 US-Dollar. Damit verzichtet Tesla offensichtlich auf das bisher angebotene Luxe Package, das unter anderem Supervised Full Self-Driving (FSD) und freien Zugang zum Supercharger-Netzwerk umfasste.

Die Preissenkung beim Tesla Cybertruck ist Teil einer breiteren Strategie: Statt kurzfristig ein komplett neues Massenmarktmodell zu bringen, versucht Tesla, über niedrigere Einstiegspreise zusätzliche Käufer zu gewinnen. Hintergrund ist ein spürbarer Nachfragerückgang im US-Elektroautomarkt nach dem Auslaufen staatlicher Förderungen im Herbst 2025. Gleichzeitig intensiviert sich der Wettbewerb durch chinesische Anbieter und traditionelle Hersteller, die ihre E-Portfolio-Offensiven fortsetzen.

Für Anleger steht damit die Margenfrage im Vordergrund: Niedrigere Verkaufspreise müssen entweder durch sinkende Produktionskosten oder höhere Erlöse aus Software, Autopilot/FSD-Optionen und Dienstleistungen kompensiert werden. Der aktuelle Kurs von 412,08 US-Dollar liegt nur minimal über dem Vortag (+0,05 %) und signalisiert Zurückhaltung, obwohl die Story rund um Robotaxis und Robotik weiterhin Fantasie bietet.

Was bedeutet das Cybercab für Tesla?

Parallel zum Tesla Cybertruck macht Tesla beim Thema autonome Mobilität Tempo. In der Gigafactory Texas wurde das erste sogenannte Cybercab gefertigt, ein als Robotaxi konzipiertes zweisitziges Coupé ohne Lenkrad und Pedale. Die Serienproduktion soll im April anlaufen. Technologisch bleibt Tesla seiner Linie treu: Statt auf Lidar wie Wettbewerber im Robotaxi-Bereich setzt der Konzern auf ein rein kamerabasiertes System in Kombination mit der FSD-Software.

In Austin sind bereits mehrere Model-Y-Fahrzeuge als Robotaxis mit Sicherheitsfahrern unterwegs. Diese Pilotfahrten sollen den Weg ebnen, damit das Cybercab mittelfristig ohne Sicherheitsfahrer eingesetzt werden kann. Elon Musk betont, dass Tesla sich von einem klassischen Autohersteller zu einem Unternehmen für Robotaxis und humanoide Roboter entwickelt. Gleichzeitig dämpft er überzogene Erwartungen: Die Produktion des Cybercab werde zunächst „quälend langsam“ anlaufen, was darauf hindeutet, dass Skalierung und Zulassungsprozesse der entscheidende Engpass bleiben.

Der Strategiewechsel zeigt sich auch im Produktportfolio. Die Produktion der Premiumlimousine Model S und des SUV Model X wird eingestellt, um Kapazitäten in Kalifornien für humanoide Roboter freizumachen. Dadurch verlagert Tesla Werttreiber weg von etablierten Modellen hin zu neuen Wachstumsfeldern wie Robotik, Robotaxis und Energiegeschäft – mit höheren Chancen, aber auch deutlich größeren regulatorischen und technologischen Risiken.

Tesla, Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Wie belastet der Autopilot-Streit Tesla?

Während Cybercab und Tesla Cybertruck die Zukunftsvision verkörpern, rückt ein Gerichtsverfahren die Kehrseite der Autonomie-Strategie ins Licht. Ein US-Bundesrichter in Miami hat Teslas Antrag abgelehnt, ein Juryurteil über 243 Millionen US-Dollar zu kippen. Das Urteil steht im Zusammenhang mit einem Unfall aus dem Jahr 2019 in Florida, bei dem eine junge Frau starb und ihr Partner schwer verletzt wurde. Die Jury hatte Tesla zu 33 % mitverantwortlich gemacht, weil ein mit Autopilot ausgestattetes Model S in ein am Straßenrand stehendes Fahrzeug krachte.

Der Richterspruch ist das erste bekannte Bundesjury-Urteil mit Todesfolge, bei dem Autopilot im Mittelpunkt steht, und unterstreicht die rechtlichen Risiken, die aus Teslas aggressivem Marketing für Fahrerassistenz- und FSD-Funktionen erwachsen. Tesla argumentierte, der Fahrer sei allein verantwortlich gewesen und der Hersteller könne nicht für rücksichtsloses Verhalten hinter dem Lenkrad haftbar gemacht werden – ohne Erfolg. Der Konzern will in Berufung gehen, doch das Signal an Regulierer, Gerichte und Investoren ist deutlich: Die Spielräume für vollmundige Autonomieversprechen werden enger.

Damit steigt auch der Druck auf Tesla, die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Autopilot und FSD klarer zu kommunizieren. Für das Robotaxi-Geschäft – vom Cybercab bis zu autonomen Versionen des Model Y – ist die Glaubwürdigkeit der Software zentral. Jeder weitere Rechtsstreit oder Unfallfall könnte nicht nur finanzielle, sondern auch massive Reputationsschäden nach sich ziehen.

Wie reagieren Investoren auf Tesla Cybertruck, Cybercab & Co.?

An der Börse zeigt sich ein gemischtes Bild. Institutionelle Investoren haben zuletzt spürbar Positionen abgebaut: UBS reduzierte ihren Bestand um rund 60 Millionen Aktien, Nomura trennte sich von etwa 80 % ihrer Beteiligung, auch Goldman Sachs und Morgan Stanley fuhren Engagements zurück – wobei Morgan Stanley weiterhin zu den größeren Tesla-Aktionären zählt. Auf der anderen Seite fließt verstärkt Geld von Privatanlegern in die Aktie. Zwischen dem 12. und 18. Februar wurden netto rund 326 Millionen US-Dollar von Retail-Investoren in Tesla investiert, womit die Aktie im laufenden Jahr zu den meistgekauften Werten im Privatkundensegment gehört, nur knapp hinter Microsoft.

Analysten bleiben bei Tesla gespalten. Während Häuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley die langfristige Perspektive im Bereich Robotaxis, Energie und Software betonen, verweisen skeptischere Stimmen – etwa von Banken wie Citigroup oder RBC Capital Markets in früheren Einschätzungen – auf Bewertungsrisiken, zyklische Schwächen im EV-Markt und rechtliche Unsicherheiten rund um Autopilot. Für den Moment scheint der Markt die jüngsten Preismaßnahmen beim Tesla Cybertruck und den Produktionsstart des Cybercab nüchtern zu bewerten: Der Kurs bewegt sich nahe dem aktuellen Niveau von 412 US-Dollar, ohne neue Impulse nach oben oder unten zu setzen.

Fazit

Der Tesla Cybertruck, das neue Cybercab und der Fokus auf Robotik zeigen, dass Tesla seine Story konsequent in Richtung Software und autonome Mobilität verschiebt. Für Anleger bedeutet das mehr Wachstumsfantasie, aber auch höhere Volatilität durch Preiskämpfe, Margendruck und juristische Risiken im Autopilot-Geschäft. Wer investiert, sollte neben dem Kursverlauf genau beobachten, wie schnell Tesla Robotaxis skaliert und ob der Spagat zwischen günstigeren Fahrzeugen und profitabler Software gelingt.

Weiterführende Quellen

Blue Owl Private Credit Schock: OBDC-II-Gate und 1,4-Mrd.-Deal

Droht Blue Owl Private Credit nach dem OBDC-II-Gate zum Modellfall für Liquiditätsrisiken im boomenden Private-Credit-Markt zu werden?

Blue Owl Capital: Was ist bei OBDC II passiert?

Blue Owl Capital Inc. hat die quartalsweisen Rücknahmen beim Retail-Fonds Blue Owl Capital Corporation II (OBDC II) ausgesetzt. Anleger können ihre Anteile damit nicht mehr wie gewohnt zurückgeben. Stattdessen soll Kapital über periodische Ausschüttungen aus Kreditrückzahlungen, Vermögensverkäufen und anderen Transaktionen zurückfließen. Der Schritt trifft einen Markt, in dem Private Credit für Privatanleger bisher als attraktive Alternative zu Anleihen und Dividendenwerten galt.

Parallel dazu vereinbarten mehrere Blue-Owl-Business-Development-Companies (BDCs) den Verkauf eines Kreditportfolios von insgesamt 1,4 Milliarden US‑Dollar an vier institutionelle Investoren, darunter drei große nordamerikanische Pensionsfonds und die eigene Versicherungsgesellschaft von Blue Owl. Die Investments werden zu 99,7 % des Nennwerts abgegeben, also praktisch zu Par – ein wichtiger Punkt, um Sorgen vor massiven Abschlägen in den Portfolios zu dämpfen.

Der Markt reagierte dennoch heftig: Die Aktie von Blue Owl Capital Inc. brach zunächst im zweistelligen Prozentbereich ein und setzte ihre Talfahrt an den Folgetagen fort. Auch andere große Alternative-Asset-Manager wie Apollo, Blackstone und KKR gerieten unter Druck, weil Investoren Dominoeffekte im Private-Credit-Sektor fürchten.

Blue Owl Private Credit: Liquidität oder „Gate“?

Im Zentrum der Diskussion steht, ob Blue Owl Private Credit mit OBDC II einen klassischen „Gate“-Mechanismus nutzt oder tatsächlich – wie vom Management behauptet – die Liquidität beschleunigt. CEO und Management betonen, man halte die Anlegerliquidität nicht an, sondern ändere lediglich die Methode der Rückführung: Weg von individuellen Rücknahmen, hin zu strukturierten Kapitalrückführungen über Kreditrückzahlungen und den Verkauf von Assets.

Faktisch bedeutet der Stopp der regulären Rücknahmen für viele Privatanleger jedoch eine deutliche Einschränkung ihrer Flexibilität. Der Schritt ist ein Warnsignal dafür, wie anfällig Blue Owl Private Credit und vergleichbare Produkte werden können, wenn Wellen von Rückgabewünschen auf per Definition illiquide Kreditportfolios treffen. Gerade das starke Engagement in Software- und Datencenter-Finanzierungen erhöht die Nervosität, da dieser Bereich zuletzt wegen KI-Disruption und Kursstürzen besonders unter Druck stand.

Gleichzeitig weisen Marktteilnehmer darauf hin, dass die tatsächlichen Ausfallraten im Private-Credit-Segment bislang niedrig bleiben. Der Verkauf des 1,4-Milliarden-Portfolios nahe Nennwert spricht dafür, dass die Kreditqualität im Kern stabil ist – die Debatte dreht sich daher stärker um Liquidität, Bewertungsfragen und die Eignung solcher Vehikel für Privatanleger.

Wie steht Blue Owl Capital fundamental da?

Abseits der Turbulenzen im Bereich Blue Owl Private Credit fielen die aktuellen Zahlen der börsennotierten BDCs gemischt aus. Die Blue Owl Capital Corporation (OBDC) meldete für das vierte Quartal 2025 ein GAAP-Nettozinsergebnis von 0,38 US‑Dollar je Aktie und ein adjustiertes NII von 0,36 US‑Dollar je Aktie. Die reguläre Quartalsdividende von 0,37 US‑Dollar entspricht auf Basis des Nettoinventarwertes (NAV) von 14,81 US‑Dollar einer Rendite von rund 10 %. Der leichte NAV-Rückgang resultierte primär aus kreditbezogenen Abschlägen auf einige wenige Positionen, teilweise kompensiert durch aktienrückkaufbedingte Effekte.

Die Schwester-BDC Blue Owl Technology Finance Corp. (OTF) lieferte mit einem NAV-Anstieg auf 17,33 US‑Dollar und einem adjustierten NII von 0,30 US‑Dollar je Aktie ebenfalls solide Zahlen und kündigte neben einer regulären Dividende fünf Sonderausschüttungen an. Beide Vehikel setzen ihre Aktienrückkaufprogramme fort, was das Management als Signal für Vertrauen in die eigenen Bewertungen versteht.

Dennoch zeigt die Kursentwicklung, dass Anleger skeptischer werden. OBDC wird laut jüngsten Marktkommentaren mit einem Abschlag von rund 20 % auf den NAV gehandelt, da Investoren eine mögliche Dividendenkürzung um 10–25 % einpreisen – vor allem wegen sinkender Basiszinsen und abnehmender Überschussdeckung. Morgan Stanley, Goldman Sachs oder Citigroup haben zwar in den letzten Wochen ihre Modelle an das veränderte Zinsumfeld angepasst, die generelle Einstufung des Sektors bleibt aber überwiegend vorsichtig bis neutral.

Was bedeutet das für Anleger in Blue Owl Private Credit?

Für Anleger steht Blue Owl Private Credit damit an einem Scheideweg: Einerseits untermauert der nahezu zu Par erfolgte Verkauf der 1,4 Milliarden US‑Dollar an Krediten die Werthaltigkeit vieler Engagements. Andererseits hat der dauerhafte Stopp der Rücknahmen bei OBDC II deutlich gemacht, wie stark Liquiditätsrisiken in Retail-orientierten Private-Credit-Vehikeln sein können. Hinzu kommen laufende Sammelklagen, in denen Blue Owl vorgeworfen wird, Risiken und Liquiditätsprobleme in bestimmten Produkten nicht frühzeitig offengelegt zu haben.

Wir halten die Anlegerliquidität nicht an, wir beschleunigen die Rückgabe von Kapital – wir ändern lediglich die Methode, mit der wir Rücknahmen ermöglichen.
— Management von Blue Owl Capital Inc.

Fazit

Während institutionelle Investoren von der Transaktion profitieren und sich direkte Kreditpakete sichern, müssen Privatanleger geduldig auf Kapitalrückflüsse aus Ausschüttungen und Portfoliorückzahlungen warten. Wer Blue Owl Private Credit im Depot hat, sollte die weitere Kommunikation des Managements, künftige Quartalszahlen und etwaige Anpassungen der Dividendenpolitik bei OBDC und OTF genau verfolgen.

Weiterführende Quellen

Volkswagen Sparprogramm über 60 Mrd.: Chance oder Schock für Konzern und Jobs?

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20.02.26 15:10 Uhr

Volkswagen

Kann das verschärfte Volkswagen Sparprogramm den Gewinneinbruch stoppen – oder gefährdet der Sparkurs am Ende Marke und Standorte?

Volkswagen AG: Wie hart greift das Sparprogramm durch?

Im Zentrum des verschärften Volkswagen Sparprogramm steht ein globaler Sparkurs, der die Gesamtkosten des Konzerns bis Ende 2028 um ein Fünftel reduzieren soll. Intern wird von einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro gesprochen, das durch Effizienzsteigerungen, Straffung von Strukturen und eine engere zentrale Steuerung gehoben werden soll. Vorstandschef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz haben die oberste Führungsriege bereits Mitte Januar mit den neuen Vorgaben konfrontiert – offenbar deutlich strenger als bisher erwartet. Das aktuelle Kursplus von 0,29 Prozent auf 102,90 US‑Dollar spiegelt zwar noch keine Euphorie wider, zeigt aber, dass der Markt die Richtung des Managements zunächst unterstützt.

Auslöser für die Verschärfung sind die schwache Profitabilität und der massive Einbruch beim operativen Ergebnis. Nach neun Monaten sank das EBIT Schätzungen zufolge um rund 48 Prozent auf etwa 9,9 Milliarden Euro, die Marge fiel von 5,87 auf nur noch 3,05 Prozent. Der freie Cashflow brach um rund 90 Prozent auf etwa 514 Millionen Euro ein, was den Investitionsspielraum in Forschung, Software und Werksmodernisierung stark einschränkt. Vor diesem Hintergrund erscheint ein konsequentes Volkswagen Sparprogramm für das Management als einzig verbliebene Stellschraube, um wieder finanziellen Spielraum zu gewinnen.

Volkswagen AG: Macht zurück nach Wolfsburg?

Parallel zu den Kostensenkungen rückt die Steuerungsfrage in den Fokus. Die Volkswagen AG soll sich stärker als operative Holding aufstellen, mit mehr Entscheidungsmacht in Wolfsburg und weniger dezentralen Parallelstrukturen. Das neue Steuerungsmodell der Markengruppe „Core“ – mit VW, Škoda und Seat/Cupra – dient als Blaupause: Technik, Einkauf und Produktion werden dort bereits deutlich stärker gebündelt. Ziel ist es, die Entwicklung zu beschleunigen, Synergien zu heben und Doppelarbeit zwischen den Marken zu vermeiden.

Besonders sichtbar wird der neue Kurs in der Technologie. Künftig will Volkswagen nur noch zwei zentrale Software-Betriebssysteme verfolgen: einen Strang für China inklusive Exportmärkte und einen zweiten für den Rest der Welt, der im Joint Venture mit dem US-Elektroautobauer Rivian entsteht. Die bisherigen Systeme der Softwaretochter Cariad gelten als Auslaufmodell. Auch bei Fahrerassistenzsystemen und Fahrzeugplattformen soll Wolfsburg künftig die Leitlinien vorgeben, während die Marken sich stärker auf Design und Kundenerlebnis konzentrieren. In China setzt der Konzern bereits zentral auf die Lösung von Horizon Robotics, in Europa wird über eine eigenständige Lösung nachgedacht, bei der Zulieferer wie Bosch eine größere Rolle spielen könnten.

Volkswagen AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Volkswagen Sparprogramm: Was bedeutet das für Jobs und Standorte?

Das verschärfte Volkswagen Sparprogramm hat tiefgreifende Konsequenzen für Beschäftigte und Standorte. Bis 2030 sollen in Deutschland rund 35.000 Stellen abgebaut werden, vor allem über Vorruhestandsmodelle und Abfindungen. Betroffen ist insbesondere die Kernmarke mit aktuell etwa 130.000 Beschäftigten. Der sogenannte „Weihnachtskompromiss“ zwischen Management und Betriebsrat hatte bereits den Rahmen für diesen Stellenabbau gesetzt, auch wenn betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

Gleichzeitig stehen die Werke in Wolfsburg und Zwickau unter hohem Effizienzdruck. Produktionsverlagerungen in Länder mit niedrigeren Kosten wie Ungarn sowie ein weiterer Ausbau der Aktivitäten in China, Mexiko, Brasilien und den USA sind im Gespräch. In Chattanooga produziert Volkswagen bereits SUVs und den Elektro-ID.4, während in Deutschland größere Kapazitätserweiterungen derzeit kaum eine Rolle spielen. Das erhöht den Druck auf deutsche Standorte und den mittelständischen Zuliefersektor, der mit zusätzlichen Preiszugeständnissen konfrontiert wird.

Volkswagen AG: Wie reagieren Anleger und Analysten?

Der Kapitalmarkt verfolgt das Volkswagen Sparprogramm aufmerksam. Die Aktie (VOW3.DE) bewegt sich mit 102,90 US‑Dollar zwar nur leicht über dem Vortagsniveau, dennoch sehen einige Häuser Chancen. Die Citigroup empfiehlt die Volkswagen-Aktie aktuell zum Kauf und setzt darauf, dass die verschärften Einsparungen die geschwächte Marge mittelfristig stabilisieren können. Andere Analystenhäuser, darunter große europäische Investmentbanken, verweisen hingegen auf die strukturellen Herausforderungen durch den starken Wettbewerb aus China und die hohe Abhängigkeit von der globalen Konjunktur.

Spannend wird nun die Jahrespressekonferenz am 10. März, bei der das Management detaillierter erklären will, wie das Volkswagen Sparprogramm konkret umgesetzt wird und welche Einmaleffekte kurzfristig auf Ergebnis und Cashflow zukommen. Entscheidend für die Börse wird sein, ob Blume glaubhaft zeigen kann, dass die Kombination aus Kostenreduktion, technologischer Neuausrichtung und stärkerer Zentralsteuerung den Konzern wieder nachhaltig auf Rendite trimmt.

Das neue Volkswagen Sparprogramm ist mehr als ein klassisches Effizienzpaket – es ist ein tiefer Umbau von Struktur, Technologie und Machtbalance im Konzern.
— Oliver Blume (implizit zugeschrieben, sinngemäße Einordnung)

Fazit

Für Anleger bleibt Volkswagen damit ein Titel im Umbruch: Wer an eine erfolgreiche Umsetzung des Programms und eine Stabilisierung der globalen Autonachfrage glaubt, könnte Rücksetzer als Einstiegsgelegenheit sehen, muss aber mit hoher Volatilität und politisch-regulatorischen Risiken leben.

Weiterführende Quellen

ThyssenKrupp Prognose: +5,8% Rallye-Chance nach Jefferies-Upgrade

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20.02.26 15:07 Uhr

ThyssenKrupp AG

Kann die neue ThyssenKrupp Prognose von Jefferies den Umbau zur Werttreiber-Rallye machen oder ist der Kurssprung nur ein Strohfeuer?

ThyssenKrupp: Was steckt hinter der Kurserholung?

Die Papiere von ThyssenKrupp AG steigen am Freitagmittag um rund 5,8 % auf etwa 11,38 Euro und gehören damit zu den stärksten Werten im MDAX. Am Vortag lag der Schlusskurs noch bei 10,77 Euro. Vom Jahrestief bei 4,70 Euro hat sich die Aktie damit deutlich entfernt, bleibt aber weiter unter dem 52‑Wochen-Hoch von 12,48 Euro. Seit dem Rekordtief im Herbst 2024 bei rund 2,08 Euro hat sich der Kurs in der Spitze versechsfacht, auch wenn zu den historischen Höchstständen um 35 Euro aus dem Jahr 2007 noch viel Luft bleibt.

Treiber des aktuellen Schubs ist eine frische Kaufempfehlung: Das US-Analysehaus Jefferies stuft die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und erhöht das Kursziel von 12,50 auf 13,00 Euro. Analyst Tommaso Castello sieht die jüngste Kurskorrektur als Einstiegschance in eine „Event-Aktie“, bei der einzelne Umbau-Schritte erheblichen Mehrwert freisetzen könnten.

ThyssenKrupp Prognose: Wie optimistisch ist Jefferies?

Im Zentrum steht die aktualisierte ThyssenKrupp Prognose von Jefferies für das operative Ergebnis 2026. Castello hebt seine Ebitda-Schätzung um rund fünf Prozent an und liegt damit etwa sechs Prozent über dem aktuellen Marktkonsens. Trotz weiterhin erwarteter negativer Free-Cashflow-Werte zwischen -600 und -400 Millionen Euro für 2026 betonen die Experten den strategischen Charakter der hohen Ausgaben: Rund 350 Millionen Euro sollen in Umstrukturierungskosten fließen, zusätzlich sind Investitionen von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro geplant, etwa zur Hälfte in die Stahlproduktion.

Jefferies rechnet damit, dass sich diese Belastungen mittel- bis langfristig auszahlen und bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 eine Wende beim Mittelzufluss möglich ist. Unterstützt werde die ThyssenKrupp Prognose durch politischen Rückenwind für die europäische Stahlindustrie, etwa durch Importquoten und industriepolitische Förderprogramme der EU. Mit einem finanziellen Polster von rund 3,7 Milliarden Euro an Nettokapital sieht Jefferies den Konzern trotz makroökonomischer Unsicherheiten solide aufgestellt.

ThyssenKrupp AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

ThyssenKrupp: Welche Umbaupläne treiben die Story?

Großes Augenmerk legen Investoren auf die strategischen Optionen des Konzerns. Als zentrale Kurstreiber identifiziert Jefferies drei potenzielle Transaktionen: Erstens den möglichen Verkauf der Stahlsparte Steel Europe, für die aktuell Verhandlungen mit dem indischen Konzern Jindal laufen. Zweitens einen Börsengang oder Verkauf der Aufzugsbeteiligung tk Elevator, an der ThyssenKrupp AG noch einen Minderheitsanteil hält. Drittens eine Abspaltung des Werkstoffhandels Material Services.

Solche Schritte könnten nach Einschätzung von Castello deutliche Bewertungsreserven heben, da unterschiedliche Geschäftsbereiche separat am Kapitalmarkt oftmals höhere Multiples erzielen. Gleichzeitig bleibt der Konzern ein zyklischer Industrie- und Stahlwert, dessen Ergebnisentwicklung stark von Konjunktur, Stahlpreisen und Energiekosten abhängt. Die neue ThyssenKrupp Prognose baut deshalb auf einer Kombination aus internen Effizienzmaßnahmen und externem Rückenwind durch Regulierung und Konjunkturerholung auf.

ThyssenKrupp Prognose: Wie ist das charttechnische Bild?

Charttechnisch notiert die Aktie leicht über ihrer 200‑Tage-Linie, die zuletzt von einem steilen Aufwärtstrend in eine flachere Seitwärtsbewegung überging. Nach einem Plus von rund 86 % binnen zwölf Monaten bleibt der übergeordnete Trend intakt, auch wenn die Dynamik nachgelassen hat. Prognosemodelle, die saisonale Muster und die implizite Volatilität aus dem Optionsmarkt berücksichtigen, sehen für die kommenden Wochen eine breite Spanne möglicher Kursziele zwischen 9 und 17 Euro. Das Chance‑Risiko-Profil bleibt damit spekulativ, aber attraktiv für risikobereite Anleger.

Zusätzliche Anlagelösungen wie Capped‑Bonus‑Zertifikate bieten alternative Wege, an der ThyssenKrupp Prognose zu partizipieren, indem sie auch bei seitwärts oder moderat fallenden Kursen Renditechancen eröffnen. Für direkt investierte Aktionäre bleiben jedoch die Umsetzung der Restrukturierung und die nächste Phase der strategischen Entscheidungen die entscheidenden Kurstreiber.

Die jüngste Kurskorrektur ist für uns eine attraktive Einstiegschance in eine interessante Anlagestory bei ThyssenKrupp.
— Tommaso Castello, Analyst bei Jefferies

Fazit

Die Kombination aus Jefferies‑Upgrade, klar umrissener ThyssenKrupp Prognose bis 2026 und tiefgreifender Restrukturierung rückt den MDAX‑Titel wieder stärker in den Fokus. Für Anleger, die an die erfolgreiche Umsetzung der Umbaupläne glauben, könnten Rücksetzer weiterhin attraktive Einstiegsgelegenheiten bieten. Die nächsten Monate und mögliche Deal‑Ankündigungen im Stahl- und Aufzugsgeschäft dürften zeigen, ob die aktuelle Kurserholung in einen nachhaltigen Aufwärtstrend übergeht.

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Walmart Quartal nach Rekordjahr: 713 Mrd. Umsatz, Chance oder Warnung?

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Walmart Inc.

Kann Walmart nach Rekordumsatz und KI-Offensive trotz vorsichtiger Prognose weiter Quartal für Quartal Anleger überzeugen?

Walmart Quartal: Warum fällt die Aktie trotz Rekordjahr?

An der Börse kommt das Walmart Quartal zunächst schlecht an: Die Aktie von Walmart Inc. (WMT) schließt bei 124,87 US‑Dollar, ein Minus von 1,38 % gegenüber dem Vortag. Auch vorbörslich notiert der Wert leicht im Minus bei 124,79 US‑Dollar. Auslöser ist weniger die operative Entwicklung als vielmehr der vorsichtige Ausblick des Managements. Nach einem starken Weihnachtsgeschäft und einem Rekordumsatz von 713,2 Milliarden US‑Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr rechnet der Konzern für das neue Jahr nur noch mit einem Umsatzplus von rund 3,5 bis 4,5 % – die Wall Street hatte eher 5 % erwartet.

Auch beim Gewinn bleibt das Management defensiv. Für das Geschäftsjahr 2027 stellt Walmart ein Wachstum des operativen Ergebnisses von etwa 7 % in Aussicht. Angesichts eines Forward-KGV von rund 44 bis knapp 50 wirkt diese Prognose vielen Investoren zu verhalten. Am Markt mehren sich Stimmen, die die Bewertung im Vergleich zu hochprofitablen Technologiewerten wie Nvidia als ambitioniert ansehen.

Wie stark ist das operative Walmart Quartal wirklich?

Operativ präsentiert sich das jüngste Walmart Quartal allerdings robust. Der Umsatz in den USA steigt um 5,6 % auf 190,7 Milliarden US‑Dollar, die flächenbereinigten Verkäufe (Same-Store-Sales) legen um 4,6 % zu. E‑Commerce bleibt der Wachstumsmotor: Onlineumsätze in den USA steigen im hohen zweistelligen Bereich, insgesamt nähert sich das digitale Geschäft der Marke von 100 Milliarden US‑Dollar Jahresumsatz, mit Wachstumsraten von „high 20%“.

Besonders positiv: Margen und Gewinn wachsen schneller als der Umsatz. Automatisierung und striktes Kostenmanagement lassen das operative Ergebnis im Schlussquartal um über 10 % zulegen. Gleichzeitig gelingt es dem Unternehmen, die zollbedingte Inflation unter Kontrolle zu halten. Die Like-for-like-Inflation über den gesamten Warenkorb liegt nur bei etwas mehr als einem Prozent, Lebensmittelpreise sind teilweise sogar disinflationär bis deflationär – etwa bei Eiern.

Die Nachfrage wird zunehmend von einkommensstärkeren Haushalten getragen: Ein Großteil der Ausgaben im vierten Quartal stammt von Kunden mit einem Jahreseinkommen über 100.000 US‑Dollar. Dennoch behält Walmart das Thema Erschwinglichkeit als Kernbotschaft bei und positioniert sich klar über Preis und Bequemlichkeit.

Walmart Inc. Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Februar 2026

Wie treibt Walmart Quartal für Quartal die KI-Offensive voran?

Das aktuelle Walmart Quartal zeigt, wie konsequent der Konzern auf KI und Technologie setzt. Mit der Shopping-Plattform „Sparky“ hat Walmart einen eigenen KI-Assistenten in seine App integriert. Rund die Hälfte der App-Nutzer greift bereits darauf zu – und diese Kunden geben pro Bestellung rund 35 % mehr aus. Sparky liefert kontextualisierte, personalisierte Suchergebnisse und fungiert als digitaler Einkaufsberater.

Parallel baut Walmart sein digitales Werbegeschäft rasant aus. Die Umsätze damit wachsen um über 40 % und liegen inzwischen bei 6 bis 7 Milliarden US‑Dollar. Trotz des starken Wachstums ist dies noch immer klein im Vergleich zu den dreistelligen Milliardenbeträgen, die digitale Werberiesen erzielen – ein Hinweis auf erhebliches Potenzial. KI wird zudem genutzt, um die stationären Abläufe effizienter zu machen, etwa mit digitalen Regaletiketten, die Preise von bis zu 120.000 Artikeln automatisch anpassen.

Strategisch nutzt der Konzern seine rund 5.000 US‑Filialen als Distributionsknoten. Ein Drittel der Bestellungen wird bereits in weniger als drei Stunden ausgeliefert, 95 % der US-Bevölkerung können innerhalb dieses Zeitfensters bedient werden. Damit verschmilzt Walmart physische Präsenz und Onlinehandel zu einem Omnichannel-Modell, das dem Erzrivalen Amazon Paroli bieten soll.

Wie reagieren Analysten auf Bewertung und Ausblick von Walmart?

Während einige Marktbeobachter das Bewertungsniveau kritisch sehen, bleiben große Häuser optimistisch. Telsey Advisory Group bekräftigt ihr „Buy“-Rating für Walmart Inc. und nennt ein Kursziel von 135 US‑Dollar. Rothschild & Co Redburn geht noch weiter und erhöht das Kursziel auf 150 US‑Dollar. Beide verweisen auf die starke Marktstellung im Lebensmittelhandel, die wachsende Ertragskraft im Digital- und Werbegeschäft sowie die KI-Initiativen als Basis für ein erwartetes Gewinnwachstum von rund 14 % jährlich bis 2028.

KeyBanc bleibt mit einem „Overweight“-Rating ebenfalls zuversichtlich und passt das Kursziel auf 145 US‑Dollar an. Demgegenüber mahnen einige unabhängige Analysten zur Vorsicht: Die Kombination aus verlangsamtem Umsatzwachstum, nur moderat steigenden Gewinnen und einem Forward-KGV deutlich über historischen Durchschnittswerten spreche eher für eine Halteposition als für Neueinstiege zu aktuellen Kursen.

Im Ergebnis bleibt das Bild ambivalent: Fundamental liefert Walmart Quartal für Quartal solide Zahlen und macht beim Umbau zum Tech-getriebenen Einzelhändler schnelle Fortschritte. Gleichzeitig spiegelt die Bewertung bereits viel Optimismus wider – in einem Umfeld, in dem schwächere Konsumstimmung, steigende Kreditkartenausfälle und Studentenkredit-Delinquenzen Risiken für 2026 darstellen.

Walmart ist jetzt ein Tech-Unternehmen, das zufällig auch Eier, Obst und Bananen verkauft.
— Unternehmensführung von Walmart (Q4-Konferenz)

Fazit

Das jüngste Walmart Quartal unterstreicht die operative Stärke, die wachsende Bedeutung von E‑Commerce und KI sowie die Preismacht von Walmart Inc.. Für Anleger bleibt die Aktie ein Qualitätswert, dessen hohe Bewertung jedoch ein genaues Hinsehen erfordert. Entscheidend wird sein, ob Walmart die konservative Prognose übertreffen und die KI-Offensive in nachhaltig höheres Gewinnwachstum übersetzen kann – die nächsten Quartale werden hier zum wichtigen Test.

Weiterführende Quellen