Kann die Amazon KI-Offensive trotz Milliardeninvestitionen und Kursrutsch -2,0% weiter als Wachstumsmotor für AWS und Handel dienen?
Warum überzeugt die Amazon KI-Offensive?
Die Amazon KI-Offensive stützt sich vor allem auf AWS. Das Cloudgeschäft erreichte zuletzt einen annualisierten Umsatz von rund 150 Milliarden Dollar und wuchs im ersten Quartal um 28 Prozent. Damit war es das schnellste Wachstum seit 15 Quartalen. Besonders wichtig ist, dass AWS laut Management bereits einen erheblichen Teil der neuen Kapazitäten vorverkauft hat. Im Mittelpunkt stehen eigene Chips wie Trainium, Graviton und Nitro. Für Trainium wurden Erlöszusagen von mehr als 225 Milliarden Dollar genannt. Hinzu kommt eine enge Zusammenarbeit mit NVIDIA, Alphabet und dem KI-Entwickler Anthropic, der seine Rechenlast auf mehrere Plattformen verteilt.
Die Investitionsseite ist gewaltig. Im ersten Quartal lagen die Investitionen bei 44,2 Milliarden Dollar, für 2026 stehen rund 200 Milliarden Dollar im Raum. Das belastet zwar kurzfristig den freien Cashflow, zeigt aber, wie ernst Amazon die Amazon KI-Offensive nimmt. Zusätzlich erschließt der Konzern neue Bausteine der Infrastruktur, etwa über den Einsatz von Cerebras-Chips in AWS-Rechenzentren und sogar direkte Rohstoffsicherung für Rechenzentren, etwa beim Kupferbezug.
Wie stark bleibt Amazon im Kerngeschäft?
Amazon profitiert nicht nur von KI, sondern auch von einem robusten Handelsgeschäft. Die Onlineumsätze legten im ersten Quartal um 12 Prozent auf 64,25 Milliarden Dollar zu, das Stückzahlwachstum erreichte 15 Prozent. Gleichzeitig baut der Konzern seine Liefergeschwindigkeit weiter aus. Same-Day- oder Overnight-Lieferungen überschritten 2026 bereits die Marke von einer Milliarde Artikeln. Mit Amazon Now bringt der Konzern in ersten US-Städten Lebensmittel und Alltagswaren in rund 30 Minuten zum Kunden. Das verstärkt den Wettbewerb mit Walmart, Instacart, DoorDash und Uber.
Analysten sehen darin einen wichtigen Hebel. Goldman Sachs bleibt mit einem Kursziel von 325 Dollar positiv, während TD Cowen sogar 350 Dollar für möglich hält und vor allem auf den Lebensmittelschub sowie die Lieferinfrastruktur verweist. Gleichzeitig versucht Amazon, das Einkaufserlebnis digital zu verbessern. Die Shopping-App wächst bei Downloads nicht so stark wie Shein oder Temu, deshalb verknüpft Amazon Alexa stärker mit dem Shopping-Assistenten Rufus.
Was bremst Amazon aktuell an der Börse?
Trotz der operativen Stärke notiert Amazon am Freitag schwächer als der breite Markt. Die Aktie verliert intraday 1,97 Prozent auf 261,96 Dollar. Das passt zu einem gemischten Bild: Einerseits ist die Aktie seit März deutlich gestiegen, andererseits reagieren Investoren sensibel auf die hohen Investitionssummen. Sinkender freier Cashflow und gestiegene Schulden zeigen, wie kapitalintensiv die Amazon KI-Offensive geworden ist.
Dazu kommen operative Risiken. In mehreren Unternehmensbereichen wurden zuletzt weitere Stellen gestrichen, um die Effizienz zu erhöhen. Zudem läuft in den USA eine Sammelklage wegen angeblich nicht deklarierter Schwermetalle in bestimmten Sonnenschutzprodukten auf dem Marktplatz. Für das Sentiment relevant ist auch, dass einzelne Großanleger ihre Positionen umschichten. Während Bill Ackmans Pershing-Strukturen bei großen Technologiewerten wie Amazon engagiert bleiben, hat Renaissance Technologies Amazon im ersten Quartal vollständig verkauft. Präsident Donald Trump hat seine Amazon-Beteiligung ebenfalls veräußert.
Unter dem Strich bleibt die Amazon KI-Offensive aber die dominierende Investmentthese: Amazon verbindet eines der größten Logistiknetze der Welt mit führender Cloud- und KI-Infrastruktur. Gelingt es dem Konzern, die hohen Investitionen weiter in gebuchte Umsätze und schnellere Lieferungen zu übersetzen, bleibt die Aktie für viele Anleger attraktiv. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob AWS das hohe Wachstum halten und das Handelsgeschäft zugleich zusätzliche Margen liefern kann.
Wie beeinflusst das die Amazon-Aktie?
Wer die Rolle von Sprachassistenten im Handel besser einordnen will, findet in Amazon Alexa Shopping Boom: Umsatz wächst um 16,6 Prozent einen passenden Überblick zur nächsten Ausbaustufe im Ökosystem. Spannend für den Wettbewerbsrahmen im Liefergeschäft ist zudem Delivery Hero Beteiligungsverkauf +18%: Aspex drängt ins Machtzentrum, weil dort sichtbar wird, wie hart der Markt für schnelle Zustellung und Plattformmacht inzwischen umkämpft ist.
If you buy too much compute, you go out of business. If you buy too little compute, you can’t serve your customers.— Krishna Rao
Die Amazon KI-Offensive treibt derzeit fast alle großen Wachstumstreiber des Konzerns an – von AWS über eigene Chips bis zur Schnelllieferung. Kurzfristig drücken hohe Investitionen auf Stimmung und Cashflow, strategisch baut Amazon jedoch seinen Burggraben aus. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die Milliardenoffensive weiter in Umsatz, Bindung und Profitabilität auszahlt.