Wird die geplante GameStop Übernahme von eBay zum Befreiungsschlag oder zum riskanten Milliarden-Experiment für GME-Anleger?
Warum treibt GameStop die GameStop Uebernahme voran?
Ryan Cohen macht keinen Hehl daraus, dass er eBay führen will. Nach seiner Darstellung soll ein Zusammenschluss aus GameStop und eBay ein deutlich größeres E-Commerce-Unternehmen schaffen. Der Plan sieht ein Angebot von rund 55,5 bis 56 Milliarden US-Dollar vor. Cohen argumentiert, dass eBay-Aktionäre ungefähr die Hälfte des Gegenwerts in bar erhalten und den Rest in Aktien des kombinierten Unternehmens weiterrollen könnten. Damit verteidigt er den inzwischen viel diskutierten Mix aus „halb Cash, halb Aktien“.
Im Markt stößt diese Vision auf starke Gegensätze. Positiv denkende Investoren verweisen auf die hohe Reichweite von eBay und auf die Chance, GameStops stationäres Netz von rund 1.600 US-Filialen stärker in Logistik, Abholung und Händlerdienste einzubinden. Kritiker halten dagegen, dass eine GameStop Uebernahme dieser Größenordnung das bisherige Profil des Unternehmens radikal verändern und das Management überfordern könnte.
Wie will GameStop den eBay-Kauf finanzieren?
Cohen sagt, GameStop verfüge über rund 9 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln. Hinzu komme die Aussicht auf etwa 20 Milliarden US-Dollar an Fremdfinanzierung, die nach seiner Darstellung von TD Bank platzierbar wären. Zusammen würde das den Barkomponenten des Angebots dienen. Den übrigen Teil sollen Aktien des fusionierten Konzerns abdecken. Cohen wirbt zudem damit, dass die Transaktion für GameStop beim Gewinn je Aktie langfristig sogar positiv sein könne, wenn sich eBay effizienter führen lasse.
Gerade hier liegen die größten Zweifel. Investoren wie Michael Burry haben ihre Skepsis deutlich gemacht und ihre frühere Investmentthese infrage gestellt, wonach GameStop eher als schuldenarmer Kapitalallokator überzeugen sollte. Eine schwer fremdfinanzierte GameStop Uebernahme würde diese Logik auf den Kopf stellen. Der aktuelle Kurs von 24,28 US-Dollar liegt zudem klar unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,83 US-Dollar, zeigt aber auch, wie stark GME mit einer Spanne von 9,95 bis 64,83 US-Dollar schwankt.
Was wirft GameStop eBay konkret vor?
Cohen greift die Führung von eBay ungewöhnlich scharf an. Er wirft Management und Aufsichtsrat vor, zu wenig eigenes Kapital im Unternehmen zu halten und die Firma eher als Einkommensquelle denn als Eigentümer zu führen. Zudem behauptet er, bei eBay gebe es zu viel organisatorischen Ballast und eine zu komfortable Unternehmenskultur. Seine Kernthese: Ein digitaler Marktplatz ohne eigenes Inventar müsse deutlich profitabler sein, als es eBay heute ist.
Damit folgt Cohen einem Muster, das Anleger von seinem Vorgehen bei GameStop Corp. kennen. Schon dort setzte er auf öffentliche Kritik, Kostendisziplin und die Erzählung, verborgenes Ergebnis-Potenzial freizulegen. Der Unterschied ist jedoch erheblich: eBay ist operativ deutlich stabiler, als GameStop es vor Cohens Umbau war. Deshalb dürfte eine feindliche oder stark umkämpfte GameStop Uebernahme politisch und finanziell weit schwieriger werden.
Was bedeutet das für GameStop-Aktionäre?
Für Aktionäre ist die Lage zweischneidig. Einerseits könnte ein erfolgreicher Deal GameStop schlagartig vom angeschlagenen Händler zu einer Plattform mit völlig neuer Größenordnung machen. Andererseits steigen Integrations-, Finanzierungs- und Governance-Risiken massiv. Bemerkenswert ist auch, dass derzeit keine namentlich bekannten Analysten-Ratings von Häusern wie Citigroup, RBC Capital Markets oder Goldman Sachs vorliegen, die diese Transaktion öffentlich mit einem Kurszielrahmen untermauern würden. Die Börse muss den Plan daher vor allem anhand von Cohens Aussagen bewerten.
Gleichzeitig bleibt GME ein besonders spekulativer Wert, der oft im selben Atemzug mit Tesla, NVIDIA oder Apple als Publikumsfavorit genannt wird, obwohl das Geschäftsmodell deutlich anders ist. Die Kursreaktion von plus 1,29% zeigt zwar Interesse, aber keine eindeutige Zustimmung. Entscheidend wird nun, ob eBay in konkrete Gespräche eintritt und ob GameStop belastbare Finanzierungszusagen nachlegen kann.
Die GameStop Uebernahme ist damit mehr als ein Übernahmegerücht: Sie ist ein Stresstest für Cohens Glaubwürdigkeit und für die strategische Zukunft von GameStop. Für Anleger bleibt der Fall hochspannend, aber ebenso riskant. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob aus provokanten Ansagen ein verhandelbarer Deal wird oder ob der Markt die Offerte weiter als kühnen, aber kaum finanzierbaren Vorstoß einstuft.
Wie beeinflusst das die GameStop Corp.-Aktie?
Ich werde weiterhin alles tun, was nötig ist, um das Unternehmen zu kaufen.— Ryan Cohen
Wer die Finanzierungstiefe des Vorstoßes besser einordnen will, findet im Beitrag GameStop Übernahme 20 Mrd.: Warum der Deal zum Schock wird eine direkte Fortsetzung der Debatte. Einen Blick auf die Stimmung im wachstumsstarken Tech- und Werbeumfeld bietet außerdem Snap Quartal mit +12% Umsatz: Chance trotz KI- und Werbeschock?, was den Sektorvergleich bei ambitionierten Turnaround-Storys schärft.