Kann das starke Bayer Quartal mit Agrar-Boom und höherer Profitabilität die Sorgen um Schulden und Rechtsrisiken wirklich überdecken?
Wie stark fällt das Bayer Quartal aus?
Im Bayer Quartal legte das bereinigte EBITDA vor Sondereffekten um 9 Prozent auf 4,45 Milliarden Euro zu. Damit lag der Wert klar über den Markterwartungen von rund 3,93 bis 3,94 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz sank zwar nominal um mehr als zwei Prozent auf 13,41 Milliarden Euro, währungsbereinigt ergab sich jedoch ein Plus von gut vier Prozent. Unter dem Strich verdiente Bayer 2,76 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Besonders wichtig war die Profitabilität: Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 33,2 Prozent und lag damit ebenfalls deutlich über den Erwartungen. An der Börse kam das gut an. Die Aktie gewinnt intraday 5,37 Prozent. Trotz der starken Reaktion ist das Papier aber noch klar vom 52-Wochen-Hoch bei 49,78 Euro entfernt und bewegt sich damit nicht auf einem neuen Jahreshoch.
Warum überzeugt Bayer im Agrargeschäft?
Treiber der Überraschung war vor allem die Sparte Crop Science. Gute Geschäfte mit Soja- und Maissaatgut, operative Effizienzgewinne und ein laufendes Sparprogramm sorgten für Rückenwind. Zudem profitierte der Bereich von einer bereits bekannten Lizenzvereinbarung im Streit mit Corteva, die zusätzliche Erlöse brachte. In Crop Science stieg der Umsatz zum Jahresstart um rund sieben Prozent, der Gewinn sogar noch deutlicher.
Auch geopolitische Entwicklungen, unter anderem rund um den Persischen Golf, spielten dem Agrargeschäft in die Karten. Gleichzeitig blieb die Pharmasparte zwar unter Druck, schnitt aber besser ab als befürchtet. Wachstumsmotoren wie Nubeqa und Kerendia legten weiter zu und federten Rückgänge bei Xarelto und Eylea teilweise ab. Im Konsumentengesundheitsgeschäft meldete Bayer ebenfalls Wachstum, getragen von Dermatologie und Nahrungsergänzung.
Was bedeutet das für Bayer und die Prognose?
Der Konzern bestätigte im Bayer Quartal seinen Ausblick für die um Wechselkurseffekte bereinigte Entwicklung von Umsatz und operativem Gewinn. Für die nominale Entwicklung blickt Bayer nun sogar etwas optimistischer nach vorn. Beim Umsatz peilt der Dax-Konzern jetzt 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro an, beim operativen Gewinn 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro. Finanzchef Wolfgang Nickl verwies allerdings darauf, dass die Entwicklung der Wechselkurse volatil bleiben dürfte.
Belastend bleibt der freie Cashflow. Im ersten Quartal lag er bei minus 2,3 Milliarden Euro. Hauptgrund waren hohe Auszahlungen für bereits angekündigte Vergleiche und Verfahren rund um Glyphosat und PCB. Für das Gesamtjahr stellt Bayer weiterhin einen Free Cashflow von minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro in Aussicht. Damit bleibt klar: Operativ läuft es besser, finanziell drücken die Altlasten aber weiter.
Bleibt der Rechtsstreit für Bayer das große Risiko?
Ja. Trotz des starken Bayer Quartal bleibt der Glyphosat-Komplex das zentrale Risiko für die Investmentstory. Bayer arbeitet an einem milliardenschweren Sammelvergleich, über den Kläger bis Anfang Juni entscheiden müssen. Außerdem hofft das Unternehmen auf eine Grundsatzentscheidung des US Supreme Court, die den Glyphosat-Klagen die Basis entziehen könnte. Eine Entscheidung wird bis Ende Juni erwartet, der Ausgang ist offen.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser sieht nach den Zahlen Spielraum für steigende Markterwartungen. Genau deshalb beobachten Anleger nun genau, ob die operative Stärke die juristischen Unsicherheiten zunehmend überlagern kann. Im Sektor bleibt Bayer damit ein Sonderfall zwischen Pharma, Agrarchemie und Rechtsrisiken – anders als pure Pharmakonzerne wie Eli Lilly oder Branchenschwergewichte wie Apple und NVIDIA, bei denen die Bilanzqualität meist stärker im Vordergrund steht.
Wie beeinflusst das die Bayer-Aktie?
Wer die juristische Seite einordnen will, findet im Stück Bayer Glyphosat und die Bedeutung des Supreme Court für die Aktie den entscheidenden Hintergrund. Für den Vergleich mit einem anderen aktuellen Pharma-Gewinner lohnt sich außerdem der Blick auf das Eli Lilly Quartal mit starkem Umsatzwachstum, das zeigt, wie unterschiedlich der Markt starke Zahlen im Gesundheitssektor bewertet.
Das ist nur eine Momentaufnahme. Wir erwarten für den Rest des Jahres weitere Volatilität in der Entwicklung der Wechselkurse.— Wolfgang Nickl
Das Bayer Quartal ist klar besser ausgefallen als erwartet und zeigt, dass Crop Science sowie das Sparprogramm den Konzern operativ stabilisieren. Für Anleger zählt nun, ob die bestätigte Prognose und die starke Margenentwicklung die Rechtsrisiken weiter in den Hintergrund drängen. Die nächsten Wochen mit dem Supreme-Court-Thema und dem weiteren Jahresverlauf dürften für die Bayer-Aktie entscheidend werden.