Wird Michael Burrys “Fat Pitch”-Warnung für Berkshire Hathaway unter Greg Abel zur Realität, oder ist die neue Strategie ein Geniestreich?
Michael Burrys „Fat Pitch“-Warnung für Berkshire Hathaway
Michael Burry, bekannt für seine präzise Vorhersage der Immobilienkrise von 2008, hat in seinem „Cassandra Unchained“-Newsletter eine klare Warnung bezüglich Berkshire Hathaway (BRK.B) ausgesprochen. Er befürchtet, dass Warren Buffetts Nachfolger, Greg Abel, nicht die Geduld besitzen wird, auf die „Fat Pitch“-Gelegenheiten zu warten – eine Anlagestrategie, die Buffett selbst von Baseball-Legende Ted Williams übernommen hat. Burry schrieb am 10. August: „Meine größte Angst für Berkshire Hathaway war, dass, wenn Warren schließlich abtritt, der Nachfolger zu alt und ansonsten nicht Warren sein würde, also nicht seine Geduld für den Fat Pitch haben würde. Ich glaube, diese Angst hat sich bewahrheitet. Ich halte Berkshire nicht mehr für eine attraktive Investition.“
Diese Aussage wiegt schwer, da Burrys jüngste Short-Positionen gegen Tesla, Caterpillar und einen großen Halbleiterfonds erfolgreich waren, als sich der breitere KI-Handel diesen Sommer zurückzog. Seine neuen Short-Positionen gegen Oracle und das Neocloud-Unternehmen Nebius, die er am 6. August hinzufügte, unterstreichen seine anhaltenden bärischen Wetten im Tech-Sektor und erhöhen die Aufmerksamkeit der Wall Street für seine Einschätzungen.
Wie verändert Greg Abel die Kapitalallokation?
Die Kritik von Michael Burry fällt mit einer bemerkenswerten Verschiebung in Berkshire Hathaways Kapitalallokation zusammen. Das Unternehmen beendete das zweite Quartal mit rund 365,5 Milliarden US-Dollar in Barbeständen und Staatsanleihen, ein Rückgang gegenüber dem Rekordwert von 397,4 Milliarden US-Dollar zum Ende des ersten Quartals. Dies markiert den ersten sequenziellen Rückgang der Barbestände seit etwa vier Jahren, wie CNBC berichtete. Dieser Rückgang ist auf eine aggressive Neuausrichtung der Investmentstrategie zurückzuführen.
Berkshire Hathaway tätigte im Quartal Aktienrückkäufe in Höhe von etwa 4,5 Milliarden US-Dollar, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 235 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres 2026. Zudem wurde das Unternehmen erstmals seit 14 aufeinanderfolgenden Quartalen wieder ein Netto-Käufer von Aktien, mit Bruttokäufen von rund 23,5 Milliarden US-Dollar und Verkäufen von 3,7 Milliarden US-Dollar, was zu Netto-Käufen von fast 20 Milliarden US-Dollar führte, wie Fortune meldete.
Alphabet-Investment und die Rolle von Buffett
Ein Großteil der Aktienkäufe konzentrierte sich auf ein einziges Unternehmen: Alphabet. Berkshire Hathaway investierte 10 Milliarden US-Dollar in Alphabet über eine Privatplatzierung, die mehr als 6 % unter dem Marktwert lag. Alphabet reiht sich damit in die fünf größten Aktienpositionen von Berkshire ein, neben American Express, Apple, Bank of America und Coca-Cola. Bemerkenswert ist, dass Buffett selbst angab, das Alphabet-Investment nach Rücksprache mit Greg Abel initiiert zu haben. Das Quartal umfasste auch den Abschluss der 6,8 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Taylor Morrison Home Corp.
Der Nettogewinn von Berkshire Hathaway verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 25,67 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich angetrieben durch 12,68 Milliarden US-Dollar an Anlagegewinnen, darunter 10,9 Milliarden US-Dollar aus nicht realisierten Gewinnen auf Aktienbestände. Berkshire betonte jedoch, dass Anlagegewinne in einem bestimmten Quartal normalerweise nicht indikativ für die Geschäftsleistung sind, da sie stark von Marktschwankungen beeinflusst werden können.
Performance und Analysten-Einschätzungen
Trotz der verstärkten Aktivitäten hinkt die Aktie von Berkshire Hathaway dem breiteren Markt hinterher. Die BRK.B-Aktie stieg bis zum 10. August um etwa 5 % im Jahresverlauf, verglichen mit einem Anstieg von rund 13 % für den S&P 500 im gleichen Zeitraum. Diese Lücke besteht, obwohl Greg Abel die Kapitalbereitstellung beschleunigt hat. Die Aktie von Berkshire Hathaway schloss am Vortag bei 529,42 US-Dollar und fiel heute auf 517,15 US-Dollar, ein Minus von 2,32 %.
UBS-Analyst Brian Meredith vertritt eine gegenteilige Meinung und erklärte, dass die Bank Berkshire Hathaway weiterhin als eine attraktive defensive Investition betrachtet. Dies wird durch eine starke Bilanz, Potenzial für Ergebnisverbesserungen durch operative Optimierungen und den Einsatz überschüssiger Barmittel für wertsteigernde Akquisitionen und/oder Aktienrückkäufe gestützt. Merediths Einschätzung bietet einen wichtigen Kontrast zu Burrys Skepsis und unterstreicht die unterschiedlichen Perspektiven auf das Konglomerat in dieser Übergangsphase.
Umsatz-Boom bei Hims & Hers Healthcare trotz Kursrückgang
Während Berkshire Hathaway seine Anlagestrategie anpasst, blicken andere Unternehmen wie Hims & Hers Healthcare auf ihre Quartalsergebnisse. Trotz eines beeindruckenden Umsatzwachstums und steigenden Abonnentenzahlen verlor die Aktie von Hims & Hers im letzten Quartal 3,8 %, was die Komplexität des aktuellen Marktumfelds unterstreicht.
Meine größte Angst für Berkshire Hathaway war, dass, wenn Warren schließlich abtritt, der Nachfolger zu alt und ansonsten nicht Warren sein würde, also nicht seine Geduld für den Fat Pitch haben würde. Ich glaube, diese Angst hat sich bewahrheitet. Ich halte Berkshire nicht mehr für eine attraktive Investition.— Michael Burry
Die Kritik von Michael Burry an Berkshire Hathaway Michael Burry und der neuen Führung unter Greg Abel wirft wichtige Fragen zur zukünftigen Anlagestrategie auf, insbesondere im Hinblick auf Buffetts bewährte „Fat Pitch“-Methode. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen jedoch, dass das Unternehmen unter Abels Einfluss eine aktivere Rolle am Markt einnimmt und erstmals seit Langem wieder verstärkt in Aktien investiert. Für Anleger bedeutet dies eine spannende Phase der Neuausrichtung, in der sich zeigen wird, ob die neue Strategie langfristig erfolgreich sein kann. Die kommenden Quartale werden entscheidend sein, um die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Performance von Berkshire Hathaway zu bewerten.