Kann der massive Cloud-Boom die SAP-Aktie trotz schrumpfender Margen und gesenkter Gewinnprognosen dauerhaft auf Rekordkurs halten?
Wie fielen die SAP Quartalszahlen im Detail aus?
Die jüngst präsentierten SAP Quartalszahlen für das zweite Quartal übertrafen die Erwartungen der Analysten in zentralen Bereichen. Der Gesamtumsatz des Softwaregiganten kletterte im Jahresvergleich um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, während der Markt im Vorfeld mit rund 9,85 Milliarden Euro gerechnet hatte. Unter dem Strich verbuchte SAP SE einen Nettogewinn von 2,21 Milliarden Euro – ein Zuwachs von gut einem Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis je Aktie stieg von 1,45 Euro auf 1,89 Euro.
Der wesentliche Treiber dieser positiven Entwicklung war das Cloud-Geschäft. Der Cloud-Umsatz legte um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu. Als besonders starker Frühindikator erwies sich der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand (Current Cloud Backlog), der währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro kletterte. Diese Dynamik zeigt, dass die Migration bestehender Kunden in die Cloud schneller voranschreitet als von vielen Skeptikern befürchtet.
Warum gerät die Marge von SAP SE unter Druck?
Trotz der hervorragenden Umsatzentwicklung im Cloud-Bereich offenbarten die SAP Quartalszahlen eine Schwachstelle bei der Profitabilität. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis wuchs lediglich um sieben Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb hinter den Konsensschätzungen zurück. Die bereinigte operative Marge sank laut Berechnungen um 66 Basispunkte auf 27,8 Prozent, was vor allem auf gestiegene Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie höhere Marketingkosten zurückzuführen ist.
Zudem belasten die jüngst abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs das Ergebnis im zweiten Halbjahr. Finanzchef Dominik Asam wies darauf hin, dass diese Akquisitionen vorerst Verluste beisteuern werden. Vor diesem Hintergrund passte der Vorstand unter Christian Klein die Jahresprognose für das währungsbereinigte Wachstum des Betriebsgewinns leicht an: Erwartet wird nun eine Spanne von 13 bis 17 Prozent, nachdem zuvor 14 bis 18 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Das Umsatzziel sowie der erwartete freie Cashflow von rund zehn Milliarden Euro bleiben dagegen unangetastet.
Wie bewerten führende Analysten die Aktie?
Die Reaktionen aus den großen Investmenthäusern spiegeln ein geteiltes Bild wider, wobei die optimistischen Stimmen überwiegen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs senkte zwar das Kursziel von 230 auf 215 Euro, bekräftigte jedoch die Einstufung auf “Buy” und lobte den robusten Cloud-Auftragsbestand. Ähnlich äußerte sich die Privatbank Berenberg: Analyst Nay Soe Naing reduzierte das Kursziel leicht von 215 auf 205 Euro, behielt die Kaufempfehlung bei und betonte, dass das Management die Kosten mittelfristig unter Kontrolle bringen dürfte, auch wenn die Margenannahmen wegen der KI-Kosten angepasst wurden.
Das Investmenthaus Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Euro, da für Investoren der starke Auftragseingang schwerer wiege als kurzfristige Margendämpfer. Die Schweizer Großbank UBS belässt das Papier ebenfalls auf “Buy” mit einem Kursziel von 164 Euro. Etwas vorsichtiger zeigt sich JPMorgan, wo auf die Notwendigkeit einer Geschäftsbelebung im zweiten Halbjahr verwiesen wird. Deutlich skeptischer bleibt die DZ Bank, die ihre Verkaufsempfehlung bestätigte und den fairen Wert von 130 auf 120 Euro senkte.
Welche Impulse liefert der Aktienrückkauf?
Zusätzlichen Rückenwind erfährt der Aktienkurs durch den Start der zweiten Tranche des milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms. Ab dem 27. Juli sammelt SAP SE weitere eigene Aktien im Wert von bis zu 2,6 Milliarden Euro über die Börse ein. Das gesamte Programm umfasst ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro und läuft bis Januar 2027. Dieser Schritt wird von Marktbeobachtern als stabiler charttechnischer Rückhalt gewertet, der den Kurs parallel zum operativen Cloud-Wachstum stützen sollte. Zusammen mit einem kürzlich gemeldeten Insiderkauf aus den eigenen Vorstandsreihen stärkt dies das Vertrauen der Anleger in die langfristige Strategie des Konzerns.
Zusammenfassend haben die jüngsten SAP Quartalszahlen die schlimmsten Befürchtungen bezüglich einer Wachstumsabschwächung durch den KI-Wandel zerstreut. Die Aktie konnte sich signifikant von ihren Tiefständen erholen und notiert aktuell bei 151,14 Euro, was einem Tagesplus von 7,10 Prozent entspricht. Damit hat sich das technische Bild über der wichtigen 50-Tage-Linie deutlich aufgehellt.
Die starken SAP Quartalszahlen beweisen, dass die Nachfrage nach Cloud-Software ungebrochen ist. Für langfristig orientierte Anleger bietet die aktuelle Erholungsbewegung eine spannende Perspektive, sofern der Konzern die steigenden KI-Kosten im Griff behält. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Walldorfer die Profitabilität wie versprochen wieder steigern können.
Wie geht es für die SAP SE-Aktie weiter?
Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand ist das klare Highlight dieses Quartals und zeigt, dass die Bedenken der Investoren unbegründet waren.— Charles Brennan
Die jüngste Entwicklung zeigt, dass die Dynamik im Cloud-Sektor ein entscheidender Kurstreiber bleibt. Wer die Hintergründe des jüngsten Kursanstiegs im Detail verstehen möchte, findet im Artikel über den SAP Cloud-Boom und dessen Auswirkungen auf die Aktie wertvolle Einblicke. Da Softwareriesen zunehmend von globalen Infrastrukturen abhängen, lohnt sich zudem ein Blick auf andere Branchenführer: Die aktuelle NVIDIA KI-Strategie verdeutlicht eindrucksvoll, wie stark die Hardware-Nachfrage den gesamten Technologiesektor mitzieht und somit auch die Software-Infrastruktur von morgen beeinflusst.