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Bayer Glyphosat: Wichtiger Prozesssieg stärkt Aktie und Ausblick

Kann ein wichtiger Prozesssieg Bayer endlich aus der Glyphosat-Sackgasse führen – oder bleiben die Rechtsrisiken ein ewiges Damoklesschwert?

Erwähnte Aktien
BAYN
Aktuell 49,74€ +3,71% 30.10.26 15:04 Uhr MEZ
Bayer

Einigkeit im Urteil, aber kein Ende der Verfahren

Die Geschworenen wiesen die Klagen von drei Frauen ab, die ihre Krebserkrankungen mit Roundup in Verbindung gebracht hatten. Anders als bei früheren Verfahren ging es in Missouri nicht allein um fehlende Krebswarnhinweise: Die Klägerinnen argumentierten auch, das Produkt sei fehlerhaft entwickelt worden und Monsanto habe sie getäuscht. Die Jury entschied einstimmig zugunsten des Unternehmens.

Für Bayer ist das der erste gewonnene Prozess dieser Art seit der Grundsatzentscheidung des US Supreme Court im Juni 2026. Damals hatte das Gericht entschieden, dass Klagen nach dem Recht einzelner Bundesstaaten wegen fehlender Warnhinweise durch Bundesrecht ausgeschlossen sind. Der neue Prozess war deshalb ein wichtiger Test für alternative Klagebegründungen.

Was bedeutet das Urteil für den Sammelvergleich?

Bayer erklärte, der Ausgang zeige, dass Kläger nach der Entscheidung des Supreme Court Schwierigkeiten haben könnten, alternative Begründungen zu belegen. US-Chefjustiziar Bill Dodero sagte, für weitere Verfahren gebe es erhebliche Hürden bei der rechtlichen Begründung und der Beweislage. Das Urteil ist jedoch kein bindender Präzedenzfall und erledigt die anhängigen Verfahren nicht.

Im Mittelpunkt steht nun ein vorgeschlagener Sammelvergleich. Bayer würde dabei über bis zu 21 Jahre gestaffelte und gedeckelte Zahlungen von insgesamt höchstens 7,25 Milliarden US-Dollar leisten. Die gerichtliche Zustimmung steht noch aus; zudem muss ein Großteil der Kläger dem Plan zustimmen. JPMorgan-Analyst Richard Vosser sieht in dem Prozesssieg einen weiteren Schritt zur Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten und erwartet eine baldige Entscheidung über den Vergleich.

Bayer AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Analysten bleiben bei unterschiedlichen Kurszielen

JPMorgan bestätigte die Einstufung „Overweight“ und das Kursziel von 61 Euro. Jefferies beließ Bayer dagegen auf „Hold“ und nannte ein Kursziel von 46 Euro. Analyst Michael Leuchten bezeichnete den Gerichtserfolg als ermutigend, verwies aber ebenfalls auf die noch ausstehende Zustimmung zum Sammelvergleich.

Die Einschätzungen zeigen, dass der Prozesssieg die Bewertung der Rechtsrisiken beeinflussen kann, die nächste gerichtliche Entscheidung aber weiterhin entscheidend ist. Für Anleger ist der Kurssprung ein positives Signal, jedoch keine Bestätigung, dass die langjährigen Verfahren bereits beendet wären.

Bayers US-Investitionen und Branchenaussichten

Die Rechtsrisiken sind nicht der einzige Faktor für den Konzern: In unserem Beitrag zur geplanten Milliardeninvestition von Bayer in Ohio geht es um die Perspektiven des Unternehmens in den USA. Einen Blick auf das Umfeld der Chemiebranche bietet außerdem die Analyse zum Q3-Ergebnis und Ausblick von Wacker Chemie.

Dieses Urteil sollte ein starkes Signal für die Kläger sein, die auch nach dem Urteil des Supreme Court vor Gericht ziehen wollen.
— Bill Dodero, US-Chefjustiziar von Bayer
Fazit

Der einstimmige Prozesssieg in Missouri stärkt Bayer, beendet die US-Verfahren aber nicht und lässt die Zustimmung zum Sammelvergleich offen. Für Anleger stehen dem positiven Urteil eine fortbestehende Rechtsunsicherheit und unterschiedliche Analystenurteile gegenüber; der Kursgewinn zeigt dennoch, dass der Erfolg am Markt zählt. Die nächste wichtige Etappe ist die gerichtliche Entscheidung über den Vergleich, die Klarheit über die weitere Eindämmung der Rechtsrisiken bringen kann.

Volkswagen Verlust: Milliarden-Minus nach Porsche-Wertberichtigung

Trotz eines Milliardenverlusts im dritten Quartal steigt die Volkswagen-Aktie – was steckt hinter dieser scheinbaren Diskrepanz?

Erwähnte Aktien
VOW3
Schlusskurs 69,98€ +1,36% 29.10.26 22:59 Uhr MEZ
Volkswagen

Was belastet das Quartalsergebnis?

Der Umsatz sank im Sommerquartal um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro. Die Wertberichtigung auf den Porsche-Firmenwert betrug rund 6,4 Milliarden Euro und war nicht zahlungswirksam, drückte aber den ausgewiesenen Gewinn. Hinzu kamen Belastungen durch das China-Geschäft, US-Zölle und den Konzernumbau. Im Vorjahresquartal hatte Volkswagen einen Verlust von etwa 1,07 Milliarden Euro ausgewiesen.

Für die ersten neun Monate summierte sich das Ergebnis nach Steuern auf minus 2,72 Milliarden Euro. Ohne Sondereffekte hätte der Konzern im Tagesgeschäft in diesem Zeitraum einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro verbucht. Die Zahlen zeigen damit sowohl die Größenordnung der Einmalbelastungen als auch den anhaltenden Druck auf das operative Geschäft.

China-Geschäft bleibt ein zentraler Risikofaktor

In China gingen die Verkäufe von Volkswagen in den ersten neun Monaten um gut 30 Prozent auf 1,38 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Belastung trifft den Konzern in einem wichtigen Absatzmarkt, in dem lokale Anbieter den Wettbewerb verschärfen und die Nachfrage nachlässt. Für 2026 rechnet Volkswagen dort vor Abschreibungen nur noch mit einem Ergebnis um die Gewinnschwelle. Finanzchef Arno Antlitz sieht zudem das Risiko, dass das vierte Quartal das Ergebnis vor Abschreibungen in den negativen Bereich drückt.

Auch das wachsende Elektroautogeschäft in Europa verbessert die Ertragslage vorerst nicht automatisch. Laut Antlitz setzt der Markterfolg der Elektrofahrzeuge das Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil Volkswagen mit ihnen derzeit weniger verdient als mit vergleichbaren Verbrennern. Die höhere Nachfrage nach Stromern kann deshalb die Marge verwässern, während der Konzern zugleich seine Kosten senken muss.

Volkswagen Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Aktie steigt trotz schwacher Zahlen

Die Vorzugsaktie legte am Donnerstag um 1,36 Prozent auf 69,98 Euro zu. Damit fiel die erste Kursreaktion positiv aus, obwohl die Geschäftszahlen schwach waren. Aus den vorliegenden Informationen lässt sich daraus jedoch keine bestätigte Trendwende ableiten. Volkswagen hatte seine Prognose für 2026 laut Dow Jones bekräftigt; zugleich belasten laut Finanzchef Antlitz die US-Zölle, der schrumpfende chinesische Markt und der zunehmende Wettbewerbsdruck in Europa.

Der Konzern hat zudem einen Stellenabbau von mehr als 50.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Weitere Kosten könnten durch zusätzliche Vorruhestandsregelungen oder Abfindungen entstehen. Eine schnelle Erholung hängt damit nicht allein von der Nachfrage nach neuen Modellen ab, sondern auch davon, ob Volkswagen seine Kosten und die Wettbewerbsfähigkeit in den wichtigsten Märkten verbessern kann.

Preisdruck und starke Quartalszahlen im Vergleich

Der Wettbewerb bei günstigeren Elektroautos und die Folgen für den Konzern stehen auch im Beitrag zu Volkswagens Preisdruck im E-Auto-Markt im Mittelpunkt. Einen Kontrast zu den schwachen Autobauerzahlen liefert der Bericht über Adidas’ Rekordgewinn und angehobene Prognose.

Der Markterfolg unserer Elektrofahrzeuge setzt unser Ergebnis zusätzlich unter Druck.
— Arno Antlitz
Fazit

Volkswagen meldet für das dritte Quartal einen Milliardenverlust, geprägt von hohen Sondereffekten, einer großen Porsche-Wertberichtigung und schwachen Geschäften in China. Für Anleger steht der leichte Kursanstieg neben erheblichen Risiken: Die Ertragskraft bleibt durch sinkende Verkäufe, Zölle und geringere Elektroauto-Margen unter Druck. Entscheidend wird sein, ob der Konzern seine Kosten senkt und die Wettbewerbsfähigkeit in China, Europa und den USA verbessert.

Deutsche Telekom Fusion: Konzern stoppt formelles Angebot vorerst

Die Deutsche Telekom hat ihre Fusionsplaene vorerst auf Eis gelegt – welche internen und externen Faktoren bremsen den Mega-Deal aus?

Erwähnte Aktien
DTE
Schlusskurs 25,62€ +1,89% 29.10.26 17:23 Uhr MEZ
Deutsche Telekom

Warum wird der Zusammenschluss vertagt?

Bloomberg Television berichtet, der Bonner Konzern habe sich vorerst gegen ein formelles Angebot entschieden. Ein Grund sei der Widerstand des Betriebsrats; ein späterer Vorstoß bleibe möglich. Das Vorhaben sieht eine gemeinsame Holding für die Aktien beider Unternehmen vor. Nach Angaben von Bloomberg wäre es der größte Zusammenschluss börsennotierter Konzerne aller Zeiten geworden.

Die Pläne stoßen auch aus weiteren Gründen auf Gegenwind: Arbeitnehmervertreter besetzen die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat. Der Bund hält direkt und über die Kreditanstalt für Wiederaufbau zusammen gut 28 Prozent an der Telekom; bei einem Zusammenschluss könnte sein Einfluss schrumpfen. Zudem stieg der aktivistische Investor Elliott im September ein und drängt auf ein Ende der Pläne.

Starke Zahlen der US-Tochter stützen die Aktie

Die Erholung der Telekom-Aktie folgt auf solide Quartalszahlen von T-Mobile US. Neben dem Umsatz legte das bereinigte EBITDA um elf Prozent auf 9,6 Milliarden Dollar zu. Beide Werte übertrafen die Schätzungen. T-Mobile US gewann 274.000 neue Vertragskunden – drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und entgegen der Erwartung eines Rückgangs. Für das Gesamtjahr hält das Management an rund einer Million Neukunden fest und zeigt sich beim operativen Gewinn sowie beim Barmittelfluss zuversichtlicher.

Die beiden Darstellungen stimmen darin überein, dass der Zusammenschluss vorerst nicht weiterverfolgt wird und ein späteres Angebot möglich bleibt. Bloomberg Television hebt den Widerstand des Betriebsrats als einen Grund hervor; der ergänzende Bericht nennt zudem die Rolle des Bundes und den Druck von Elliott. Die Telekom hält etwas mehr als die Hälfte der Anteile an der US-Tochter. Am 5. November legt sie ihre Quartalszahlen vor.

Deutsche Telekom AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

JPMorgan bleibt bei „Übergewichten“

JPMorgan bestätigte für die Telekom die Einstufung „Übergewichten“ und ein Kursziel von 38 Euro. Die Analysten weisen zugleich darauf hin, dass die Unsicherheit rund um einen möglichen Zusammenschluss die Aktie weiter belaste. In den am Markt erfassten Einschätzungen raten sechs von sechs Experten zum Kauf; das durchschnittliche Kursziel beträgt 36,88 Euro. Diese Einschätzungen stehen dem aktuellen Kurs von 25,61 Euro gegenüber, sind aber keine Garantie für die weitere Entwicklung.

SpaceX bleibt ein Thema für den US-Mobilfunkmarkt

Die vertagten Zusammenschlusspläne treffen auf bestehende Unsicherheit rund um den US-Markt: Der Beitrag zum SpaceX-Frequenzkauf und dem Druck auf die Telekom-Aktie beleuchtet diese Belastung. Wie stark Anleger auf Geschäftszahlen und Prognosen reagieren können, zeigt außerdem der Bericht zum Wachstum und Margenausblick von Symrise.

Fazit

Die Telekom vertagt ein formelles Angebot für T-Mobile US, während starke Quartalszahlen der US-Tochter und ein Kursplus von 1,89 Prozent die Aktie stützen. Für Anleger bleiben die bestätigte Einstufung von JPMorgan und das Kursziel von 38 Euro mögliche Orientierungspunkte, die anhaltende Fusionsunsicherheit ist jedoch ein Risiko. Die Zahlen der Telekom am 5. November werden neue Hinweise zur Geschäftsentwicklung liefern und verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Wacker Chemie Aktie: Solides Q3-Ergebnis und bestätigter Ausblick für 2026

Trotz eines herausfordernden Marktumfelds überrascht Wacker Chemie mit einem starken dritten Quartal – kann der Konzern die positiven Impulse nutzen, um die Aktie nachhaltig zu beflügeln?

Erwähnte Aktien
WCH
Schlusskurs 85,15€ +2,41% 29.10.26 17:25 Uhr MEZ
Wacker Chemie AG

Was trieb das Ergebnis im dritten Quartal?

Die Entwicklung profitierte vor allem von den Kostensenkungen des Effizienzprogramms PACE und höheren Margen im Chemiegeschäft. Zusätzlich wirkte sich ein Sondereffekt aus einer Vertragsauflösung im Bereich Polysilicon aus. Bereinigt um Sondereffekte lag das EBITDA bei 182 Millionen Euro, 63 Prozent über dem Vorjahreswert. Eine spürbare Nachfrageerholung blieb jedoch aus.

Für die ersten neun Monate meldete Wacker Chemie AG ein EBITDA von 601 Millionen Euro, ein Plus von 74 Prozent. Der Nettogewinn erreichte 452 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Fehlbetrag von 105 Millionen Euro angefallen war. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um knapp vier Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Der Ausblick für 2026 bleibt unverändert

Das Management hält an der nach dem zweiten Quartal angehobenen Prognose fest: Für 2026 erwartet der Konzern ein EBITDA zwischen 625 und 750 Millionen Euro und Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Christian Hartel rechnet damit, dass das operative Ergebnis in der oberen Hälfte der Spanne liegen wird. Die Investitionen sollen sich auf etwa 300 Millionen Euro belaufen; der Netto-Cashflow soll positiv ausfallen und deutlich über dem Vorjahresniveau liegen.

Der freie Mittelzufluss lag im dritten Quartal bei 476 Millionen Euro, verglichen mit 19 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dazu trugen neben dem Geschäft auch Mittel aus dem Verkauf von Anteilen an Siltronic bei: Seit Ende Mai erzielte Wacker daraus 360 Millionen Euro, davon 171 Millionen Euro im dritten Quartal. Die kräftige Cashflow-Steigerung ist daher nicht allein auf die operative Entwicklung zurückzuführen.

Wacker Chemie AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Analysten urteilen unterschiedlich

Jefferies bestätigte die Einstufung „Hold“ und das Kursziel von 93 Euro. Analyst Marcus Dunford-Castro verwies darauf, dass das EBITDA die Unternehmensplanung um drei Prozent übertroffen habe. Der Mittelpunkt der eingeengten Prognosespanne deute für das Schlussquartal zwar auf eine bessere Entwicklung hin als von ihm erwartet, liege aber unter dem Konsens.

Die DZ Bank hob dagegen den fairen Wert von 89 auf 100 Euro an und stufte die Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch. Analyst Peter Spengler sieht einen möglichen Kapazitätsabbau bei Polysilicon als möglichen mittelfristigen Treiber der Profitabilität. Damit gehen die beiden Häuser trotz des positiven Quartals bei der Bewertung auseinander.

Kostensenkungen greifen, Unsicherheiten bleiben

Das PACE-Programm soll ab 2028 jährlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen; für 2026 erwartet das Unternehmen bereits Einsparungen von 200 Millionen Euro. Dafür sollen 1.600 Arbeitsplätze wegfallen. Zugleich bleibt die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie Auto- und Bauindustrie verhalten. Belastend wirken außerdem die Unsicherheit rund um den Nahen Osten und offene Fragen zu US-Maßnahmen für Polysiliziumimporte, die Anfang Dezember in Kraft treten sollen.

Die Aktie notierte mit 85,15 Euro weiterhin deutlich unter dem Jahreshoch von fast 106 Euro Anfang Juni. Die jüngste Tagesbewegung passt zur verbesserten operativen Entwicklung, beseitigt aber nicht die Risiken durch schwache Nachfrage und die Belastungen im Solargeschäft.

Unser Quartalsergebnis zeigt, dass die Kosten- und Effizienzmaßnahmen, die wir vor einem Jahr eingeleitet haben, greifen.
— Christian Hartel
Fazit

Wacker Chemie steigerte im dritten Quartal Umsatz und operatives Ergebnis, während Kostensenkungen und höhere Chemie-Margen die schwache Nachfrage teilweise ausglichen. Für Anleger stehen dem verbesserten Ausblick und der positiven Einschätzung der DZ Bank die vorsichtigere Haltung von Jefferies sowie Risiken im Polysilicon- und Endmarktgeschäft gegenüber. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob der Konzern die obere Hälfte seiner Jahresprognose erreicht und seine Erholung fortsetzen kann.

Vonovia Prognose: Konzern senkt Ziele – Was Anleger jetzt wissen müssen

Vonovia senkt seine Investitions- und Mietwachstumsziele – welche Auswirkungen hat das auf Mieter und Anleger?

Erwähnte Aktien
VNA
Schlusskurs 15,92€ -3,35% 29.10.26 17:25 Uhr MEZ
Vonovia SE

Weniger Mietwachstum und niedrigere Investitionen

Vonovia senkt auch die Investitionsplanung: Für 2026 sind nun rund 1,3 Milliarden Euro vorgesehen, nach zuvor etwa 1,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen begründet den Schritt mit höheren Finanzierungskosten und dem schwachen Transaktionsumfeld. Die Projektentwicklung soll strategisch überprüft und stärker auf bezahlbaren Wohnraum ausgerichtet werden.

Beim bereinigten operativen Ergebnis bleibt die bisherige Spanne von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro bestehen. Der Konzern erwartet den Wert jedoch nur noch in deren unterer Hälfte. Für den operativen freien Cashflow vor Veränderungen des Nettoumlaufvermögens rechnet Vonovia nun mit einem moderat niedrigeren Ergebnis als im Vorjahr.

2028-Ziele fallen ebenfalls zurück

Auch der mittelfristige Ausblick wird zurückgenommen: Für 2028 erwartet Vonovia beim organischen Mietwachstum rund 4,5 Prozent statt zuvor etwa fünf Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis soll am unteren Ende der Spanne von 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro liegen. Die Angaben zu Mietwachstum und Investitionen zeigen, dass der Konzern kurzfristig Liquidität und Rendite stärker gewichtet als den Ausbau des Bestands.

Das Handelsblatt hebt die vorsichtigere Geschäftsentwicklung und die Sorgen um Finanzierung und Verkaufsgeschäft hervor. DWN nennt zusätzlich die konkreten Anpassungen bei Mietwachstum und Investitionsvolumen. Beide Berichte verweisen damit auf den Zinsdruck; die Neunmonatszahlen zeigen zugleich ein gemischtes Bild: Das bereinigte EBITDA stieg auf 2,19 Milliarden Euro, während das bereinigte Ergebnis vor Steuern auf 1,41 Milliarden Euro sank.

Vonovia Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Wie reagieren Analysten auf den neuen Ausblick?

Die Analysten bleiben trotz der gekappten Erwartungen überwiegend bei Kaufempfehlungen. Berenberg senkte das Kursziel auf 23 Euro und bestätigte „Buy“. JPMorgan beließ die Einstufung bei „Overweight“ und das Kursziel bei 26 Euro. UBS bestätigte „Buy“ mit einem Kursziel von 23 Euro; Jefferies ebenfalls „Buy“ bei 23 Euro. JPMorgan-Analyst Neil Green verwies zugleich auf die offene Frage, ob eine Dividendenkürzung zum Schuldenabbau nötig werden könnte.

Für Mieter bedeutet die geringere Neubauaktivität vor allem, dass die Schaffung zusätzlichen Wohnraums langsamer vorankommt. Für Anleger stehen neben der Ergebnisentwicklung die Finanzierungskosten und die Ausschüttung im Fokus. Die nächsten Neunmonatszahlen will Vonovia am 4. November vorlegen.

Politische Risiken bleiben ein Thema für Vonovia

Die veränderten Geschäftserwartungen treffen auf politische Unsicherheit in Berlin: Im Beitrag zu Verstaatlichungsplänen und der Morgan-Stanley-Warnung geht es um mögliche Folgen für den Konzern. Der Blick auf den Immobilienkonzern ergänzt die aktuelle Debatte um Finanzierung, Investitionen und Wachstum.

Fazit

Unterm Strich nimmt Vonovia Wachstum aus der Planung, reduziert Investitionen und rechnet 2026 sowie 2028 mit Ergebnissen am unteren Rand der bisherigen Erwartungen. Für Anleger bleiben die bestätigten Kaufempfehlungen ein Gegengewicht, doch Finanzierungskosten und die offene Dividendenfrage erhöhen die Unsicherheit. Der Zwischenbericht am 4. November liefert den nächsten wichtigen Prüfstein; bis dahin können Anleger die Entwicklung von Cashflow, Schuldenabbau und Vermietung gezielt im Blick behalten.

Mehr zum Thema: Deutschland · Finanzen

Adidas Quartal: Rekordgewinn und höhere Prognose beflügeln die Aktie

Adidas meldet Rekordzahlen und hebt die Prognose an – doch wie nachhaltig ist dieser Erfolg, wenn Sondereffekte die Bilanz stützen?

Erwähnte Aktien
ADS
Schlusskurs 167,33€ +5,87% 29.10.26 17:24 Uhr MEZ
Adidas

Was zeigen die Zahlen des dritten Quartals?

Adidas Corporation erzielte im dritten Quartal den höchsten Umsatz und das höchste Betriebsergebnis in einem Dreimonatszeitraum. Der Erlös von 7,25 Milliarden Euro lag nach einem Bericht von Aktiencheck auf Vorjahresniveau; dpa-AFX berichtete von einem Anstieg um gut neun Prozent auf knapp 7,3 Milliarden Euro. Da die Angaben voneinander abweichen, ist die Umsatzhöhe belastbarer als eine einheitliche Wachstumsrate. Das Unternehmen hatte die Eckdaten bereits in der Vorwoche veröffentlicht; am Donnerstag folgten die detaillierten Resultate.

Das operative Ergebnis erhöhte sich um 37 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Der Nettogewinn aus fortgeführten Geschäften lag bei 711 Millionen Euro, ein Plus von 48 Prozent. Der Gewinn je Aktie betrug laut OnVista 4,06 Euro; die Analystenerwartung lag nach unserer Auswertung bei 3,84 Euro. Da die Quellen den Wert nicht als bereinigt ausweisen, wird er nicht mit der bereinigten Konsensschätzung verglichen.

Ein wichtiger Gewinnfaktor war eine Rückerstattung von US-Zöllen von ungefähr 200 Millionen Euro. OnVista bezifferte das operative Ergebnis ohne diesen Sondereffekt rechnerisch auf etwas mehr als 800 Millionen Euro und die entsprechende Marge auf rund 11,1 Prozent. Ausgewiesen wurden 13,9 Prozent, nach 11,1 Prozent im Vorjahresquartal. Der Rekord beim operativen Ergebnis ist daher nicht allein auf die laufende Geschäftsentwicklung zurückzuführen.

Wie reagierte die Aktie?

Die Aktie schloss am 29. Oktober bei 167,15 Euro, nach 158,05 Euro am Vortag. Das entspricht einem Tagesplus von 5,8 Prozent. Die Bewegung folgte auf die detaillierten Zahlen und die Bestätigung der bereits erhöhten Jahresprognose. Schon nach den vorläufigen Eckdaten in der Vorwoche hatte das Papier zeitweise fast fünf Prozent zugelegt. Der Schlusskurs-Anstieg nach dem finalen Bericht fiel mit 5,8 Prozent stärker aus als die durchschnittliche Bewegung von 7,3 Prozent nach den letzten vier Zahlenveröffentlichungen nicht; er lag darunter. In zwei dieser vier Fälle stieg die Aktie, in zwei gab sie nach.

Die Analystenreaktionen waren überwiegend positiv, aber nicht einheitlich. In unserer Auswertung stehen 24 Kauf- und sieben Halteempfehlungen von 31 Analysten; die Kurszielspanne reicht von 163 bis 268 Euro, der Mittelwert liegt bei 200 Euro. Bernstein Research bestätigte „Outperform“ mit einem Kursziel von 245 Euro. RBC beließ die Einstufung ebenfalls auf „Outperform“ und das Ziel bei 200 Euro. Jefferies hielt an „Buy“ und 187 Euro fest. UBS blieb mit „Neutral“ und 160 Euro zurückhaltender.

Adidas Corporation Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Was erwartet Adidas im Schlussquartal?

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Adidas nun mit einem Betriebsergebnis von rund 2,5 Milliarden Euro, nach zuvor 2,3 Milliarden Euro. Die Umsatzprognose bleibt laut OnVista bei einem Wachstum von neun bis zehn Prozent. Die Anhebung des Betriebsergebnisziels entspricht der Zollerstattung von rund 200 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen damit zugleich höhere Gewinnerwartungen und einen erheblichen Beitrag eines Sondereffekts.

Für das vierte Quartal erwartet der Konzern insgesamt ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Auch in Europa soll das Geschäft wieder zulegen. Konzernchef Bjørn Gulden verwies auf ein ausgesprochen positives Orderbuch. Der Ausblick ist relevant, weil Europas Umsatz im dritten Quartal um vier Prozent zurückging, während die anderen Regionen zweistellig wuchsen. Nach neun Monaten betrug das Plus in Europa zwei Prozent.

Diese Entwicklungen stützen die Bilanz

  • Die Bekleidungssparte wuchs um 19 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.
  • Die Performance-Sparte legte währungsbereinigt um 14 Prozent zu.
  • Nordamerika und China verzeichneten laut OnVista Umsatzanstiege von 13 beziehungsweise zwölf Prozent.
  • Jefferies hob hervor, dass die Lagerbestände langsamer wuchsen als der Umsatz.

Diese Punkte bleiben eine Belastung

  • Der europäische Umsatz sank im dritten Quartal um vier Prozent.
  • Das Schuhgeschäft stagnierte währungsbereinigt; die Lifestyle-Schuhe blieben herausfordernd.
  • Die operative Marge lag ohne die Zollerstattung rechnerisch bei rund 11,1 Prozent und damit auf Vorjahresniveau.
  • Adidas will im vierten Quartal 100 Millionen Euro in Initiativen reinvestieren. Gulden nannte mögliche Verwendungen, betonte aber, dass die Pläne noch nicht konkretisiert seien.

Vor dem Bericht stand der Vergleich mit Nike im Fokus

Vor den Adidas-Zahlen ging es um die Frage, ob die schwachen Nike-Ergebnisse Rückschlüsse auf den deutschen Sportartikelkonzern zulassen. Der damalige Beitrag ordnet die Unterschiede zwischen Nike und Adidas vor dem Bericht ein.

Das Orderbuch sei ausgesprochen positiv.
— Bjørn Gulden
Fazit

Für Anleger steht damit die Umsetzung des Europa-Ausblicks und die Entwicklung der Profitabilität im Mittelpunkt. Das Rekordquartal und die höhere Jahresprognose geben Rückenwind; zugleich sollte die Zollerstattung bei der Einordnung des Gewinnsprungs berücksichtigt werden. Als nächster konkreter Katalysator gilt die angekündigte Analystenkonferenz, bei der nach Einschätzung von Jefferies insbesondere Aussagen zu den Margenfortschritten wichtig sein dürften.

Mehr zum Thema: Deutschland · Konsum & Retail · Automotive

Symrise Aktie: Starkes Q3-Wachstum, doch Margenausblick dämpft die Stimmung

Trotz überzeugender Wachstumszahlen stürzt die Symrise Aktie zweistellig ab – warum reagieren die Anleger so empfindlich auf den Ausblick?

Erwähnte Aktien
SY1
Aktuell 89,88€ -10,16% 28.10.26 11:53 Uhr MEZ
Symrise AG

Wachstum übertrifft die Erwartungen

Der Konzernumsatz erreichte im dritten Quartal 1,31 Milliarden Euro nach 1,222 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das organische Wachstum lag laut Unternehmensmitteilung über den Erwartungen; Dow Jones berichtete, Analysten hätten im Konsens mit 5,0 Prozent gerechnet. Für die ersten neun Monate weist Symrise ein organisches Plus von 3,0 Prozent aus.

Beide Geschäftsbereiche trugen zum Quartalswachstum bei: Taste, Nutrition & Health legte organisch um 5,2 Prozent zu, Scent & Care um 5,6 Prozent. Pet Food sowie Care & Wellness kehrten jeweils zu positivem organischem Wachstum zurück. Regional kam der stärkste Impuls aus Asien-Pazifik, wo das Unternehmen zweistelliges Wachstum meldete.

Warum gerät die Aktie trotz Wachstum unter Druck?

Im Mittelpunkt der Reaktion steht die Prognose für die Profitabilität. Symrise hält zwar an der EBITDA-Margenspanne von 21,5 bis 22,5 Prozent fest, rechnet aber nun mit einem Ergebnis in deren unterer Hälfte. Als Gründe nennt das Unternehmen geplante Reinvestitionen in IT, Innovation und Personal. Für das vierte Quartal erwartet es außerdem eine sequenzielle Abschwächung des Wachstums, weil die Vergleichsbasis im Vorjahreszeitraum höher ist.

Auch die Umsatzprognose bleibt bestehen: Für das Gesamtjahr stellt der Konzern ein organisches Wachstum von 2 bis 4 Prozent in Aussicht und erwartet nun einen Wert nahe der Mitte dieser Spanne. Die Aktie notierte im aktuellen Handel bei 89,88 Euro, nach einem Vortagesschluss von 100,05 Euro.

Symrise AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Analysten sehen unterschiedliche Akzente

Jefferies bestätigte die Einstufung „Buy“ und das Kursziel von 110 Euro. Analyst Marcus Dunford-Castro verwies auf das leicht über den Erwartungen liegende organische Wachstum, zugleich aber auf höhere Vergleichshürden. JPMorgan beließ Symrise auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 100 Euro. Edward Hockin erklärte, das Wachstum entspreche weitgehend dem Konsens, doch seien die Erwartungen vor den Zahlen gestiegen.

Die DZ Bank sieht laut Analyst Thomas Maul das Risiko moderat sinkender Konsensschätzungen. Positiv hob er die Rückkehr des Tiernahrungsgeschäfts zum Wachstum sowie die Nachfrage und die Investitionspipeline hervor. Das Unternehmen setzt zudem sein Aktienrückkaufprogramm fort: Bis Ende September waren 4,3 Millionen Aktien zurückgekauft; das Programm soll am 30. Oktober enden.

Unsere starke Entwicklung im dritten Quartal spiegelt die positive Dynamik unserer Geschäfte in widerstandsfähigen Märkten, die Stärke unserer Kundenbeziehungen sowie den Einsatz unserer Teams wider.
— Dr. Jean-Yves Parisot, Vorstandsvorsitzender der Symrise AG
Fazit

Symrise verbindet ein stärkeres, volumengetriebenes Quartalswachstum mit einer vorsichtigeren Einschätzung der Jahresmarge und einer erwarteten Wachstumsabkühlung im Schlussquartal. Für Anleger erklärt diese Kombination, warum die starken Umsatzzahlen den deutlichen Kursrückgang nicht verhindern konnten; die bestätigte Umsatzprognose und die Rückkehr einzelner Bereiche zum Wachstum bleiben positive Aspekte. Entscheidend wird, ob der Konzern seine Effizienz verbessert und die Profitabilität innerhalb der Prognosespanne stabilisiert.

Thyssenkrupp Accelis Abspaltung: Börsenstart mit 13 Prozent Kursabschlag

Die Thyssenkrupp Accelis Abspaltung ist vollzogen – doch wie bewertet der Markt die neue Eigenständigkeit und den verbleibenden Konzern?

Erwähnte Aktien
TKA
Aktuell 12,74€ -13,18% 28.10.26 10:53 Uhr MEZ
ThyssenKrupp AG

Der Börsenstart bewertet die Tochter mit 1,77 Milliarden Euro

Der erste Kurs von TK Accelis entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 1,77 Milliarden Euro. Für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien erhielten Anleger eine Aktie des Werkstoffhändlers. Der Mutterkonzern hat 49 Prozent abgegeben und hält weiterhin 51 Prozent. Anders als bei einem klassischen Börsengang wurden keine neuen Aktien zur Kapitalbeschaffung ausgegeben; TK Accelis fließt durch die Notierung zunächst kein frisches Eigenkapital zu.

Thyssenkrupp sackte im Zuge der Abspaltung auf 12,74 Euro ab. Der Rückgang gegenüber dem Vortagesschluss von 14,68 Euro beträgt 13,18 Prozent. Ein Teil des Kursabschlags spiegelt den Wert der nun separat gehandelten Tochter wider; die Bewegung allein sagt deshalb nicht aus, wie der Markt den verbleibenden Konzern bewertet.

Wie viel Potenzial sehen Analysten?

Jefferies-Analyst Tommaso Castello hatte vor dem Börsenstart für TK Accelis eine Bewertungsspanne von 29 bis 64 Euro je Aktie genannt. Der erste Kurs von 27,80 Euro lag darunter. In einer weiteren Einschätzung errechnete Castello aus dem Deal für Thyssenkrupp ein mögliches Kursniveau von 16,80 bis 18,70 Euro je Aktie und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Die Einschätzung hängt wesentlich davon ab, welchen Wert Anleger dem Werkstoffgeschäft und dem verbleibenden Konzern beimessen.

Thyssenkrupp Accelis Abspaltung Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Die Marge bleibt der entscheidende Prüfstein

TK Accelis erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro, die bereinigte EBITDA-Marge lag jedoch bei nur zwei Prozent. Mittelfristig strebt das Unternehmen vier bis fünf Prozent an. Zusätzlich peilt es ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als vier Prozent an. Die Notierung soll der Tochter mehr Eigenständigkeit und einen eigenen Kapitalmarktzugang verschaffen, doch die angestrebte Profitabilität muss sich erst in den Geschäftszahlen zeigen.

Thyssenkrupp-Chef Miguel López treibt mit der Abspaltung den Umbau des Konzerns zu einer Holding eigenständig wirtschaftender Unternehmen voran. Für Anleger bedeutet das eine separate Börsenbewertung des Werkstoffgeschäfts, während die Muttergesellschaft die Mehrheit und erheblichen Einfluss behält.

Stimmrechtsmeldungen und politische Risiken im Fokus

Vor der Börsennotierung waren Veränderungen bei den Thyssenkrupp-Stimmrechten Thema: Der Beitrag zu Goldman Sachs und Morgan Stanley beleuchtet diese Meldungen. Im Immobiliensektor stehen dagegen politische Unsicherheiten im Vordergrund, wie die Analyse zu Vonovia und den Berliner Verstaatlichungsplänen zeigt.

Fazit

TK Accelis ist mit einem ersten Kurs von 27,80 Euro an der Börse gestartet, während Thyssenkrupp angesichts der Abspaltung deutlich nachgab und die Tochter weiterhin kontrolliert. Für Anleger stehen damit sowohl die eigenständige Bewertung des Werkstoffhandels als auch die niedrige aktuelle Marge im Mittelpunkt. Entscheidend wird, ob TK Accelis seine Wachstums- und Profitabilitätsziele erreicht und der Konzernumbau dadurch überzeugender bewertet wird.

Mercedes-Benz Prognose: China-Schwäche und höhere Kosten belasten Ziele

Kann Mercedes-Benz seine ambitionierten Ziele trotz Gegenwind aus China und steigenden Materialkosten halten – oder müssen Anleger mit weiteren Enttäuschungen rechnen?

Erwähnte Aktien
MBG
Schlusskurs 39,86€ -3,66% 27.10.26 19:40 Uhr MEZ
Mercedes-Benz

China und Materialkosten drücken auf die Ziele

Die Mercedes-Benz Group AG rechnet beim Konzern-EBIT nun mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Zuvor hatte das Unternehmen einen deutlichen Anstieg erwartet. 2025 lag das EBIT bei 5,82 Milliarden Euro. Als Gründe für die Anpassung nennt der Konzern das zunehmend herausfordernde Marktumfeld in China sowie höhere Kosten im vierten Quartal, darunter Materialkosten.

Auch der Free Cashflow des Industriegeschäfts dürfte deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Bisher hatte Mercedes einen Wert leicht darunter in Aussicht gestellt; nun soll dieser Prognosebereich knapp unterschritten werden. Das ist für Anleger relevant, weil der Mittelzufluss auch den Spielraum für Aktienrückkäufe beeinflussen kann.

Vorläufige Quartalswerte zeigen ein gemischtes Bild

Die vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal liefern unterschiedliche Signale. In der Pkw-Sparte lag die bereinigte Umsatzrendite bei 2,5 Prozent und damit knapp über dem Analystenkonsens von 2,4 Prozent. Das Konzern-EBIT betrug 1,77 Milliarden Euro und übertraf die Konsensschätzung von 1,6 Milliarden Euro. Der Free Cashflow des Industriegeschäfts fiel mit 172 Millionen Euro jedoch deutlich geringer aus als die erwarteten 422 Millionen Euro.

Auch die Nachfrage in China bleibt ein Belastungsfaktor: Nach neun Monaten waren die Auslieferungen dort um 29 Prozent gesunken. Die vollständigen Quartalszahlen und der Zwischenbericht sollen am 28. Oktober veröffentlicht werden. Die Prognosen für Mercedes-Benz Vans – eine bereinigte Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent – und Financial Services mit einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 12 bis 14 Prozent bleiben unverändert.

Mercedes-Benz Group AG Aktienchart - 252 Tage Kursverlauf - Oktober 2026

Wie reagieren Analysten auf die Kürzung?

JPMorgan beließ die Aktie auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 70 Euro. Analyst Jose Asumendi sieht durch die Kürzung das Risiko, dass die Ergebniserwartungen des Marktes um rund 10 Prozent sinken. Jefferies bestätigte „Buy“ und ein Kursziel von 46 Euro; die neue Zielspanne für die Pkw-Marge liege unter dem Konsens. RBC hielt an „Sector Perform“ und 44 Euro fest und verwies auf die unter den Konsenserwartungen liegenden Jahresziele.

Der Kursrückgang passt zur deutlichen Abwärtskorrektur: Die Aktie verlor am Dienstag 3,66 Prozent und schloss bei 39,85 Euro. Die vorläufigen Quartalswerte übertrafen bei EBIT und Pkw-Marge zwar die jeweiligen Konsensschätzungen, doch der schwächere Mittelzufluss und der vorsichtigere Jahresausblick belasten das Gesamtbild.

Elektroautos und Luxusstrategie bleiben im Fokus

Wie Mercedes im Elektro-SUV-Segment aufholen könnte, beleuchtet der Beitrag zum Duell mit BMW. Einen Branchenvergleich bietet außerdem die Analyse zur Luxusstrategie und Neuausrichtung bei Porsche.

Fazit

Mercedes-Benz senkt wegen der schwächeren China-Nachfrage und höherer Kosten die Jahresziele, während die vorläufigen Quartalswerte bei EBIT und Pkw-Marge über dem Konsens lagen. Für Anleger bleibt der deutlich niedrigere erwartete Free Cashflow ein wichtiger Belastungsfaktor, auch wenn einzelne Kennzahlen besser ausfielen als erwartet. Die vollständigen Zahlen am 28. Oktober werden zeigen, wie sich die Entwicklung einordnen lässt und ob der Konzern seine Ziele weiter präzisieren kann.