Kann Oracle mit seinem KI-Boom die Börse überzeugen, obwohl die Aktie nach den Quartalszahlen deutlich abrutscht?
Wie entwickelte sich das Cloud-Wachstum bei Oracle?
Oracle Corporation verzeichnete im Q4 ein beeindruckendes Wachstum im Cloud-Infrastrukturbereich: Die Erlöse stiegen um 93 Prozent auf 5,79 Milliarden US-Dollar – deutlich über der Erwartung von 5,72 Milliarden Dollar. Damit beschleunigte sich das Wachstum gegenüber dem Vorquartal (84 %). Der Gesamt-Cloud-Umsatz erreichte 9,91 Milliarden Dollar – ein Plus von 47 Prozent im Jahresvergleich, jedoch leicht unter der Konsensprognose von 10 Milliarden Dollar. Der Softwarebereich verzeichnete hingegen ein Minus von 2,1 Prozent, was die strukturelle Neuausrichtung unterstreicht. Die Cloud-Apps wuchsen nur um 10 Prozent auf 4,13 Milliarden Dollar. Dieses ungleichmäßige Wachstum signalisiert, dass die KI-Infrastruktur-Boomphase bereits voll im Gange ist – während traditionelle Software- und SaaS-Geschäfte noch an Schwung gewinnen müssen.
Was sagen die Oracle Quartalszahlen zum Auftragsbestand?
Der größte Erfolgsindikator der Oracle Quartalszahlen ist der sprunghaft gestiegene Auftragsbestand: Die Remaining Performance Obligations (RPO) stiegen um 363 Prozent auf 638 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 85 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal. Über die Hälfte dieses gigantischen Backlogs stammt laut Bank of America von OpenAI – darunter der bekannte Fünf-Jahres-Vertrag im Wert von 300 Milliarden Dollar. Diese Zahl bestätigt Oracle als vierten Hyperscaler neben Amazon, Microsoft und Google. Doch der hohe RPO birgt auch Risiken: Nur ein Teil davon ist bereits finanziert. Die gute Nachricht: Oracle enthüllte, dass der Anteil von Kunden mit vorausbezahlten oder selbst bereitgestellten GPUs auf 75 Milliarden Dollar angewachsen ist – ein entscheidender Hebel, um den Kapitalbedarf zu senken.
Wie hoch sind die Investitionen und die Finanzierungspläne?
Oracle Corporation gab im abgelaufenen Geschäftsjahr 55,7 Milliarden US-Dollar für Investitionen aus – 5,7 Milliarden mehr als geplant. Damit liegt der CapEx deutlich über der ursprünglichen Zielmarke von 50 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow sank auf minus 23,7 Milliarden Dollar. Um die KI-Infrastruktur zu finanzieren, plant Oracle für das Geschäftsjahr 2027 eine Aufstockung um rund 40 Milliarden Dollar – darunter 20 Milliarden Dollar über eine At-the-Market-Aktienausgabe. Diese geplante Verwässerung sowie die bereits bestehende Schuldenlast von über 124 Milliarden Dollar sorgten für Kursdruck. Analyst Rishi Jaluria von RBC Capital Markets hält weiterhin ein „Sector Perform“-Rating mit Kursziel von 190 Dollar – ein deutliches Signal, dass die Finanzierungskapazität der größte Engpass bleibt.
Wie bewerten die Analysten die Oracle Quartalszahlen?
Die Analystenreaktion ist gespalten: Citigroup-Analyst Tyler Radke bekräftigte sein „Buy“-Rating und hob das Kursziel auf 330 Dollar – ein Potenzial von rund 60 Prozent. Er betont die „responsible bookings“ und die steigende ROIC-Fokussierung. Auch Bank of America empfiehlt den Kauf und sieht Oracle als zentralen KI-Enabler. Dem steht jedoch die Einschätzung von Vital Knowledge gegenüber, das die hohe Kapitalintensität und die anhaltenden Cash-Abflüsse als strukturelle Herausforderung identifiziert. Die durchschnittliche Konsensmeinung bleibt „Strong Buy“ mit 33 Empfehlungen – 28 „Buy“, 5 „Hold“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 269,93 Dollar, was einem Upside von 31 Prozent entspricht.
The prepaid and customer supplied hardware portions of our large AI contracts now total $75 billion. This substantially reduces the amount of capital Oracle must raise to build out our AI datacenters.— Oracle Corporation, Q4 Earnings Release
Oracle Corporation bleibt ein zentraler Treiber der KI-Infrastruktur-Revolution – die Oracle Quartalszahlen belegen dies eindrucksvoll. Doch der Markt bewertet nicht mehr nur Wachstum, sondern zunehmend auch die Finanzierbarkeit dieses Wachstums. Die Aktie reagierte mit einem klaren Korrekturimpuls, weil die Investitionsdynamik und das geplante Kapitalaufkommen die Profitabilitätsaussichten kurzfristig überlagern. Für langfristige Anleger bleibt Oracle Corporation ein strategisch unverzichtbarer Player – doch die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die KI-Umsätze nun auch profitabel werden. Die Transformation ist nicht mehr aufzuhalten – nur ihre finanzielle Nachhaltigkeit steht auf dem Prüfstand.