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09.02.26 22:00 Uhr
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10.02.26 01:59 Uhr
Microsoft
Die Microsoft KI-Strategie steht an einem kritischen Punkt: Während der Software-Riese Milliarden in OpenAI, eigene KI-Chips und neue Rechenzentren pumpt, wächst an der Wall Street die Skepsis, ob diese Wette kurzfristig genug Ertrag bringt. Analysten sind gespalten – zwischen Warnungen vor Druck auf den freien Cashflow und der Sicht, dass Microsoft mit seiner KI-Plattform langfristig zu den größten Gewinnern gehören könnte. Für Anleger stellt sich die Frage: Ist die aktuelle Bewertung bereits Ausdruck überzogener Zweifel – oder erst der Anfang einer Neubewertung der KI-Euphorie?
Microsoft KI-Strategie: Investitionen ohne schnellen Payoff?
Microsoft gilt als Leitwert im Softwaresektor und treibt mit seiner aggressiven Microsoft KI-Strategie die gesamte Branche voran. Kern des Ansatzes sind enorme Investitionen in OpenAI, Azure-Rechenzentren und eigene KI-Chips der Maia-Reihe, um mit Google und dessen Gemini-Plattform gleichzuziehen oder sie zu überholen. Zusammen mit Partnern wie Amazon und NVIDIA sollen weitere 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI fließen, zusätzlich zu den bereits verfügbaren 40 Milliarden. Ziel ist es, ein neues, “State of the Art”-Modell zu liefern und damit Googles Bewertungsprämie am Markt anzugreifen.
Gleichzeitig schwelt die Sorge, dass diese Kapitaloffensive den freien Cashflow belastet, ohne kurzfristig ausreichend Umsatzwachstum zu generieren. Laut aktuellen Marktbeobachtungen handelt Microsoft inzwischen bei der Forward-Bewertung günstiger als IBM, was den Bewertungsdruck widerspiegelt, der aus den hohen KI-Ausgaben resultiert. Nach einem Rückgang von rund 12–17 % seit Jahresbeginn sehen einige Anleger die Aktie als überverkauft an, andere zweifeln, ob die KI-Wette schnell genug aufgehen wird.
Microsoft im Fokus: Downgrade trotz Kurs-Erholung
Besonders deutlich wird die Skepsis an der jüngsten Herabstufung durch Melius Research, die Microsoft von “Buy” auf “Hold” setzten. Analyst Ben Reitzes senkte das Kursziel auf 430 US-Dollar und verweist auf drohende Enttäuschungen beim freien Cashflow sowie im Abo-Geschäft. Er warnt davor, dass die Branche vor einer Phase steht, in der Fantasie weniger zählt als harte Mittelzuflüsse – aus seiner Sicht profitieren derzeit eher KI-Chiphersteller und Hardwarekonzerne wie Apple direkt von den Investitionswellen.
Demgegenüber bleibt Morgan Stanley-Analyst Keith Weiss konstruktiver. Er sieht in der jüngsten Korrektur attraktive Einstiegsgelegenheiten und betont, dass etablierte Softwarehäuser wie Microsoft und Salesforce in der Lage seien, KI sinnvoll in bestehende Produkte zu integrieren. Die Bank hält an ihrem positiven Votum fest und verweist auf weiterhin starke Fundamentaldaten: Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz auf 81,3 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 4,14 US-Dollar und damit über den Konsensschätzungen.

Copilot: Schwachstelle in der Microsoft KI-Strategie?
Der größte Kritikpunkt an der Microsoft KI-Strategie bleibt der bisherige Ertrag von Copilot. Der KI-Assistent ist tief in Windows, Office, GitHub und die Cloud integriert und soll langfristig der Hebel für margenstarkes Wachstum werden. Erstmals legte das Management konkrete Kennzahlen offen: Microsoft 365 Copilot kommt auf 15 Millionen bezahlte Sitze, ein Plus von 160 % gegenüber dem Vorjahr, GitHub Copilot erreicht 4,7 Millionen zahlende Entwickler, plus 75 %.
Im Verhältnis zur gewaltigen Nutzerbasis wirken diese Zahlen jedoch bescheiden. Die 15 Millionen Microsoft-365-Copilot-Nutzer entsprechen nur rund 3,3 % der 450 Millionen 365-Abonnenten, GitHub Copilot deckt etwa 3,1 % der 150 Millionen registrierten Entwickler ab. UBS-Analyst Karl Keirstead kritisiert, dass sich das Umsatzwachstum bei Microsoft 365 durch Copilot bislang nicht beschleunigt habe und viele Nutzungstests keine dynamische Ramp-up-Phase erkennen ließen. Melius-Analyst Reitzes geht noch weiter und hält es für möglich, dass Microsoft Copilot teilweise kostenlos anbieten muss, um Marktanteile gegenüber ChatGPT und anderen Assistenten zu verteidigen – mit entsprechendem Druck auf Umsatz und Margen im Produktivitätssegment.
Microsoft: Zwischen Oversold-Status und KI-Langfriststory
Trotz der Vorbehalte bleibt die Microsoft KI-Strategie der zentrale Investment-Case für viele Anleger. Nach einem Rückgang von rund 25 % vom 52-Wochen-Hoch und deutlich gedrückten Bewertungskennzahlen stufen mehrere Marktbeobachter die Aktie inzwischen als technisch überverkauft ein. Marktkommentare verweisen darauf, dass Softwarewerte wie Microsoft historisch bei ähnlich niedrigen Bewertungsniveaus häufig einen kräftigen Bounce verzeichnet haben – ein Muster, das sich mit dem aktuellen Tagesplus von gut 3 % andeutet.
Gleichzeitig bleibt Azure als zweitgrößte Cloud-Plattform der Welt das wichtigste Zugpferd. Zwar lag das Wachstum im jüngsten Quartal mit 39 % knapp unter den Erwartungen und leicht unter dem Vorquartal, doch viele Analysten sehen darin eher eine Normalisierung nach den Boomjahren. Zacks verweist auf rekordhohe KI-Infrastrukturinvestitionen im Markt und eine wieder anziehende Marktbreite – Faktoren, von denen Schwergewichte wie Microsoft besonders profitieren dürften.
Im Bildungsektor zeigen erste Praxisprojekte wie der flächendeckende Einsatz von Microsoft 365 Copilot im Schulsystem Puerto Ricos, wie sich Produktivitätsgewinne und bessere Lernergebnisse kombinieren lassen. Solche Referenzkunden sollen helfen, die noch niedrige Penetration von Copilot in der breiten Nutzerbasis zu steigern und die Microsoft KI-Strategie schrittweise in messbare Umsätze und Cashflows zu übersetzen.
Ja, Microsoft geht voll auf KI – und der Preis dafür ist hoch. Aber wer in diesem Rennen mitlaufen will, muss heute investieren, um morgen Erträge zu sehen.
— Keith Weiss, Analyst bei Morgan Stanley
Fazit
Unterm Strich steht Microsoft damit an einem Wendepunkt: Die massiven KI-Ausgaben sind getätigt, doch der Beweis der Monetarisierung – insbesondere bei Copilot – steht noch aus.
Weiterführende Quellen
- Microsoft Corporation (MSFT) bei Yahoo Finance (Yahoo Finance)
- Microsoft (NASDAQ:MSFT) Shares Up 3.2% – What’s Next? (MarketBeat)
- Down 25% From Its High, Is Now the Time to Buy Microsoft Stock? (The Motley Fool)
- Microsoft 365 Copilot im Bildungssystem Puerto Ricos (Microsoft)
- Bulls Take Control Amid New AI Spending & Expanding Breadth (Zacks Investment Research)







