Kann Salesforce seine ambitionierte Umsatzprognose von 63 Milliarden US-Dollar bis 2030 erreichen und den Markt mit seiner KI-Offensive überzeugen?
Optimistische Umsatzprognose und KI-Offensive
Salesforce Inc. hat die Finanzmärkte mit einer ambitionierten Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2030 überrascht. Das Unternehmen erwartet bis dahin Einnahmen von über 63 Milliarden US-Dollar, was die durchschnittlichen Analystenschätzungen von 59,2 Milliarden US-Dollar (laut LSEG) deutlich übertrifft. Diese Ankündigung erfolgte im Rahmen der Dreamforce-Konferenz, die als entscheidender Moment für den Konzern gilt. Nach einem turbulenten Jahr, geprägt von Zweifeln an der KI-Resistenz des Geschäftsmodells, hat sich Salesforce zuletzt erholt und konnte die Skeptiker mit starken Ergebnissen und einem positiven Ausblick besänftigen.
CEO Marc Benioff betonte die transformative Kraft der KI für Unternehmen: „Es gibt bestimmte Momente in unserer Branche, in denen sich alles ändert, und das ist dieser Moment für Unternehmen.“ Salesforce präsentierte auf der Konferenz neue KI-Lösungen, darunter das KI-Reasoning-Modell „Koa“, das auf einem Modell von NVIDIA basiert, sowie erweiterte Integrationen mit Anthropic’s Claude. Bis zu 1.000 Kunden haben sich bereits für die Beta-Version mit Claude angemeldet, wie Patrick Stokes, President of Applications and Marketing, mitteilte.
Wie reagiert der Markt auf KI-Risiken und Chancen?
Die sogenannte „SaaSpocalypse“-Erzählung, die 2025 aufkam und Softwareunternehmen wie Salesforce unter Druck setzte, scheint sich zu wandeln. Miguel Milano, Chief Operating Officer von Salesforce, erklärte auf der Dreamforce: „Ich werde das Wort ‚SaaSpocalypse‘ nicht mehr verwenden. Ich hoffe, Sie auch nicht, und der Markt wird nach und nach zur Besinnung kommen.“ Die jüngsten Quartalszahlen, die einen Gewinn von 2,6 Milliarden US-Dollar aus strategischen Investitionen, insbesondere in Anthropic, auswiesen, untermauerten diese optimistische Sichtweise. Die Aktie sprang daraufhin um fast 23 % und verzeichnete damit die beste Performance seit 2020.
Die Meinungen der Konferenzteilnehmer zur KI-Entwicklung sind dabei differenziert. Während Online-Debatten oft von apokalyptischen Szenarien geprägt sind, zeigten sich viele Teilnehmer auf der Dreamforce eher besorgt über konkrete Auswirkungen wie Arbeitsplatzverluste, psychische Gesundheit und Umweltbelastungen durch Rechenzentren. Dean Levita, ein lokaler Tech-Arbeiter, bezeichnete die Risiken als „vorsorglich, nicht unmittelbar“. Andere vertrauen darauf, dass „kluge Köpfe“ die KI vor realem Schaden stoppen werden, wie Henry Sandles anmerkte.
Insider-Transaktionen und Aktienrückkäufe
Trotz des positiven Gesamtausblicks gab es in den letzten Tagen Meldungen über Insider-Transaktionen bei Salesforce Inc.. Präsident Sabastian Niles gab am 15. September 8.873 Aktien im Wert von rund 2,27 Millionen US-Dollar zurück, während Präsident Miguel Milano 6.535 Aktien im Wert von etwa 1,67 Millionen US-Dollar abgab. Diese sogenannten „Surrender“-Transaktionen dienen in der Regel dazu, Steuern oder die Kosten für Optionsausübungen zu decken und sind kein ungewöhnlicher Vorgang.
Gleichzeitig hat Salesforce aggressiv eigene Aktien zurückgekauft. Robin Washington, Chief Operating and Financial Officer, gab bekannt, dass das Unternehmen kumuliert 60 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben hat. CEO Marc Benioff bedankte sich sogar bei jenen, die ihre Aktien zu niedrigeren Kursen verkauft hatten, was dem Unternehmen ermöglichte, günstig einzukaufen. Die Investition in Anthropic, die voraussichtlich Milliarden wert sein wird, könnte zudem genutzt werden, um Schulden aus Aktienrückkäufen zu begleichen.
Slack als KI-Kommunikationszentrale
Die im Jahr 2021 für 27,1 Milliarden US-Dollar erworbene Team-Kommunikations-App Slack hat sich in den letzten drei Monaten zu einem zentralen Hub für die Kommunikation mit KI-Agenten entwickelt. Dies erklärte Alexa Vignone, President und Chief Revenue Officer von Salesforce. Diese Entwicklung unterstreicht die Strategie des Unternehmens, KI tief in alle Produkte und Services zu integrieren und somit einen Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Die Aktie von Salesforce notierte zuletzt bei 252,25 US-Dollar, was einem leichten Plus von 0,65 % gegenüber dem Vortag entspricht.
Salesforce navigiert durch KI-Boom und interne Entwicklungen
Die aktuellen Entwicklungen bei Salesforce zeigen, wie das Unternehmen den rasanten Wandel im Technologiebereich meistert. Erst kürzlich überzeugte der Konzern mit starken Quartalszahlen, bei denen der KI-Boom den Umsatz auf 11,35 Mrd. US-Dollar trieb und die Aktie beflügelte. Gleichzeitig stehen die Kosten, Sicherheit und Regulierung im Fokus der Tech-Giganten, was die strategische Ausrichtung von Salesforce auf verantwortungsvolle KI-Integration unterstreicht.
„Es gibt bestimmte Momente in unserer Branche, in denen sich alles ändert, und das ist dieser Moment für Unternehmen.“— Marc Benioff, Co-Founder und CEO von Salesforce
Salesforce hat auf der Dreamforce-Konferenz mit einer optimistischen Umsatzprognose für 2030 und einem starken Fokus auf KI überzeugt, was die Erwartungen der Analysten übertrifft. Dies signalisiert eine positive Entwicklung für Anleger, die auf langfristiges Wachstum im Software- und KI-Sektor setzen. Die kommenden Quartalsberichte werden zeigen, ob das Unternehmen diesen ambitionierten Kurs beibehalten und die Integration der KI-Technologien erfolgreich in weiteres Wachstum ummünzen kann.