Trotz eines schwierigen Fintech-Umfelds überrascht Affirm mit starken Quartalszahlen – ist das der Beginn einer neuen Wachstumsphase oder nur ein Strohfeuer?
Überzeugende Affirm Quartalszahlen und Umsatzwachstum
Die jüngsten Affirm Quartalszahlen zeigen ein beeindruckendes Wachstum. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Affirm Holdings einen Gewinn pro Aktie von 4,62 US-Dollar, was die Analystenschätzungen von 0,35 US-Dollar pro Aktie (FactSet) oder 0,34 US-Dollar (Benzinga Pro) bei Weitem übertraf. Dieser signifikante Gewinn beinhaltet einen einmaligen Ertragsteuerertrag von 1,45 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz stieg um 33 % auf 1,2 Milliarden US-Dollar und übertraf damit ebenfalls die Prognosen von 1,1 Milliarden US-Dollar. Das Bruttowarenvolumen (GMV), welches alle über Affirms Plattform abgewickelten Transaktionen misst, wuchs um 36 % auf 14,1 Milliarden US-Dollar und lag damit deutlich über den erwarteten 13,4 Milliarden US-Dollar. Rund die Hälfte dieses Wachstums resultierte aus direkten Händler-Point-of-Sale-Integrationen, während der Rest auf das Direktkundengeschäft entfiel. Die Gesamtzahl der Transaktionen stieg um 41 % auf 53 Millionen.
Michael Linford zum Präsidenten ernannt: Was bedeutet das für Affirm?
Parallel zur Veröffentlichung der starken Affirm Quartalszahlen gab das Unternehmen eine wichtige Personalentscheidung bekannt: Michael Linford, zuvor Chief Operating Officer, wurde mit sofortiger Wirkung zum Präsidenten von Affirm ernannt. Max Levchin, Gründer und CEO von Affirm, betonte, dass diese Beförderung, zusammen mit der von Pat Suh zum SVP, GM of Global Markets, eine noch straffere Ausführung ermöglichen und ihm selbst mehr Zeit für die Entwicklung zukünftiger Produkte und Dienstleistungen verschaffen werde. Linford selbst bezeichnete die jüngsten Ergebnisse als „Volltreffer“ und hob hervor, dass das GMV seit elf aufeinanderfolgenden Quartalen um über 30 % gewachsen sei. Die GAAP-Betriebsmargen verbesserten sich von 6 % im Vorjahr auf 12,6 %.
Ausblick und strategische Partnerschaften
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 prognostiziert Affirm Holdings einen Umsatz zwischen 1,19 Milliarden und 1,22 Milliarden US-Dollar, was über den Analystenschätzungen von 1,16 Milliarden US-Dollar liegt. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen ein Bruttowarenvolumen von über 64 Milliarden US-Dollar, ebenfalls über den Konsensschätzungen von 63,43 Milliarden US-Dollar. Affirm plant, sein Wachstum durch die Expansion in neue Märkte voranzutreiben. Ein neues Team unter der Leitung von Pat Suh soll diesen Vorstoß begleiten. Zudem wurde eine Partnerschaft mit Shopify bekannt gegeben, um „Shop Pay Installments“ in Australien einzuführen. Dieses Produkt ist bereits in Nordamerika erfolgreich und soll nun in einem weiteren wichtigen Markt etabliert werden. Max Levchin hob hervor, dass diese Zusammenarbeit die strategische Bedeutung von Shopify als Partner und Investor unterstreiche.
Wie positioniert sich Affirm im Wettbewerb?
Trotz des Rückgangs der Fintech-Aktien im Jahr 2026, bei dem Konkurrenten wie SoFi Technologies um 27 % und Klarna Group um fast 52 % fielen, konnte Affirm Holdings ein bescheidenes Plus von 4,1 % verzeichnen. Analyst John Hecht von Jefferies führte die jüngste Outperformance der Fintech-Aktien auf eine starke Kreditvergabe, Produkterweiterungen und eine überraschend robuste Verbraucherkreditqualität zurück. Max Levchin betonte, dass Affirm sich auf den Aufbau eines starken Netzwerkeffekts konzentriere, der das Unternehmen von Wettbewerbern abhebe. Er hob die Fähigkeit hervor, Kreditentscheidungen in Echtzeit zu treffen und das Kreditrisiko präzise zu steuern. Affirm generiert etwa ein Drittel seines Umsatzes aus Zinserträgen, verlagert aber zunehmend den Fokus auf gebührenbasierte Einnahmen von Händlern, insbesondere bei zinslosen „Buy Now, Pay Later“-Plänen. Diese ziehen zwar Kunden mit höherer Kreditwürdigkeit an, haben aber tendenziell geringere Margen.
Kreditqualität und zukünftige Produktentwicklung
Die Kreditqualität der Verbraucher bleibt ein zentrales Thema. Affirm meldete, dass die 30-Tage-Verzugsquote (ohne Peloton und Pay in 4-Darlehen) im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 % gestiegen ist, was eine Verlangsamung gegenüber den 2,7 % bis 2,8 % in den vorangegangenen drei Quartalen darstellt. Michael Linford bezeichnete dies als „wirklich stabile Kreditergebnisse“, die den internen Erwartungen entsprächen. Affirm arbeitet weiterhin an der Verbesserung des In-Store-Erlebnisses und der Affirm Card, die bereits eine hohe Nutzung aufweist. Das Unternehmen plant, die Affirm Card noch attraktiver zu gestalten, indem es karten-spezifische Funktionen und Belohnungen einführt. Zudem wird an der Erweiterung des Produktangebots gearbeitet, das über reine Point-of-Sale-Kredite hinausgeht und verschiedene Kreditprodukte sowie Dienste für Geschäftskunden umfasst. Die langfristige Vision, ein Bruttowarenvolumen von 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen, bleibt bestehen.
Affirm Holdings: Zwischen Wachstum und Herausforderungen im Fintech-Sektor
Die aktuellen Entwicklungen bei Affirm Holdings zeigen ein Unternehmen, das trotz der allgemeinen Unsicherheiten im Fintech-Sektor stark performt. Während die jüngsten Affirm Quartalszahlen ein beeindruckendes Wachstum belegen, bleiben Fragen bezüglich der langfristigen Kreditqualität und des Wettbewerbsdrucks bestehen. Im breiteren Kontext des Marktes, in dem der KI-Boom auch andere Sektoren wie Halbleiter antreibt, wie die Broadcom Quartalszahlen zeigen, muss Affirm seine innovative Stärke weiter unter Beweis stellen, um seine führende Position zu behaupten.
„Wir haben dieses Quartal erneut hervorragende Ergebnisse geliefert, insbesondere im breiteren Kontext der globalen wirtschaftlichen Unsicherheit.“— Max Levchin, CEO von Affirm Holdings
Die aktuellen Affirm Quartalszahlen zeigen ein bemerkenswert starkes Wachstum und übertrafen die Erwartungen der Analysten in Umsatz und Gewinn deutlich. Die Ernennung von Michael Linford zum Präsidenten signalisiert eine strategische Neuausrichtung für zukünftige Innovationen und eine verbesserte operative Effizienz. Für Anleger könnte dies ein Indikator für eine anhaltend positive Entwicklung und eine Stärkung der Marktposition im hart umkämpften Fintech-Sektor sein. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Affirm seinen Wachstumskurs beibehalten und die ambitionierten Ziele im Bereich des Bruttowarenvolumens erreichen kann.