Trotz übertroffener Erwartungen bei Umsatz und Gewinn fällt die Deutsche Telekom Aktie – warum reagieren Anleger so verhalten?
Umsatz und Gewinn liegen über den Erwartungen
Der Umsatz stieg um 7,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro; organisch betrug das Wachstum 5,5 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL legte um 9,9 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro zu. Beide Werte übertrafen die Analystenschätzungen. Auch der Free Cashflow AL lag mit 5,7 Milliarden Euro über dem erwarteten Mittelwert von 5,41 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war vor allem die US-Tochter T-Mobile US.
Für 2026 rechnet der Konzern nun mit rund 47,6 Milliarden Euro bereinigtem EBITDA AL und rund 20,1 Milliarden Euro Free Cashflow AL. Zuvor hatte die Prognose bei rund 47,5 beziehungsweise 20,0 Milliarden Euro gelegen. Die Erwartung für das bereinigte Ergebnis je Aktie bleibt bei rund 2,20 Euro. JPMorgan bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Overweight“ und das Kursziel von 38 Euro. Analyst Akhil Dattani verwies auf einen Umsatz, der ohne die bereits gemeldeten Ergebnisse der US-Tochter gut drei Prozent über der Markterwartung gelegen habe.
Dividende steigt, Rückkauf bleibt hinter Erwartungen
Für 2026 stellt die Telekom eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie in Aussicht, zehn Cent mehr als für das Vorjahr. Für 2027 plant das Unternehmen zudem Aktienrückkäufe von bis zu zwei Milliarden Euro. Der Markt hatte laut den berichteten Konsensschätzungen allerdings mit einer Dividende von 1,12 Euro und Rückkäufen von rund drei Milliarden Euro gerechnet. Die positiven Geschäftszahlen stehen damit einer Ausschüttungspolitik gegenüber, die geringer ausfiel als erwartet.
Wie konkret ist die Fusion mit der US-Tochter?
Parallel rückt eine mögliche vollständige Fusion mit T-Mobile US wieder in den Blick. Ein Bericht des Handelsblatts schildert, dass Vorstandschef Timotheus Höttges weiter um die Unterstützung der Bundesregierung werbe. Bloomberg hatte dagegen zuvor berichtet, der Fusionsprozess sei vorerst ausgesetzt. In Konzernkreisen wurden diese Spekulationen zurückgewiesen; ein Zusammenschluss ist nicht beschlossen. Der Bund hält knapp 30 Prozent der Telekom-Aktien, ein Anteil, der bei einer solchen Transaktion politisch bedeutsam wäre.
Höttges sieht zugleich wachsenden Wettbewerb in den USA durch SpaceX. Er sagte, der Konzern stelle sich künftig auf vier Mobilfunkanbieter im US-Markt ein. Für einen Aufbau eigener Infrastruktur bei SpaceX veranschlagte er grob geschätzt Investitionen von 200 Milliarden US-Dollar. Diese Wettbewerbsfrage und die offene Fusionsdebatte stehen neben den soliden Quartalszahlen als mögliche Belastungsfaktoren im Raum.
Fusionspläne und unterschiedliche Markterwartungen
Die politische und strategische Dimension des möglichen Zusammenschlusses greift der Beitrag zur vorläufigen Pause beim Fusionsvorhaben auf. Dass starke Kennzahlen nicht automatisch für Kursgewinne sorgen, zeigt auch der Blick auf Symrise und die Reaktion auf den Ausblick.
„Das ist kein Geschäft, was man einfach mal so dann hinsetzt“— Timotheus Höttges
Die Telekom verbindet ein starkes drittes Quartal mit leicht angehobenen Jahreszielen, während Dividenden- und Rückkaufpläne die hohen Markterwartungen nicht erfüllen. Für Anleger stehen damit operative Stärke, die Kursreaktion und die offene Fusionsdebatte nebeneinander; auch der Wettbewerb durch SpaceX bleibt ein Thema. Die nächsten Unternehmensmeldungen und die weitere Entwicklung der Ausschüttungspolitik dürften zeigen, ob die guten Geschäftszahlen dem Kurs neuen Halt geben.